Ursachenforschung im Kopf

von Redaktion

Beim TSV 1860 wird gerade zu viel gegrübelt, das gilt vor allem für Grimaldi, Moll und Karger

VON FLORIAN FUSSEK

München – Adriano Grimaldi ist derzeit ein Sinnbild für die Situation des TSV 1860. Der Stürmer startete überragend in die Saison, glänzte mit Kampf und Einsatz, schoss sich zum Fan-Liebling. Doch aktuell will es nicht so laufen – auch wenn er am Sonntag zum 2:3 in Karlsruhe traf. Es war sein erster Treffer nach vier Spielen.

„Er muss schauen, dass er wieder den Biss wie am Anfang entwickelt und die Tore erzwingt“, forderte Daniel Bierofka kürzlich. „Er hält sich zu viel in Räumen auf, wo er nicht in Torgefahr kommt“, analysiert Günther Gorenzel: „Teilweise rechne ich ihm das ja hoch an. Er opfert sich für die Mannschaft auf dem Spielfeld auf. Er will überall hin, er will überall helfen. Am liebsten will er den Ball noch gewinnen, ein Tor vorbereiten und erzielen. Das geht leider nicht.“

Kampfgeist kann man dem Neuzugang wahrlich nicht absprechen. Nach dem KSC-Spiel blutete er an der Hand. Eine gefährliche Situation hatte der 27-Jährige – bis auf seinen Treffer – am Sonntag jedoch nicht. „Man beginnt dann zu denken: Warum komme ich nicht zu meinen Abschlüssen? Warum komme ich nicht zu meinem Tor?“, so Gorenzel: „Jeder Spieler muss sich auf die Aufgabe auf seiner Position konzentrieren. Ob ihm das gefällt oder nicht, interessiert mich nicht. Er bekommt vom Trainer eine klare Aufgabe und auf die muss er sich fokussieren und er muss seine Persönlichkeit in den Dienst der Mannschaft stellen.“

Die brenzlige Situation der Löwen nur an Grimaldi festzumachen, wäre natürlich unfair – auch bei anderen Spielern ist ein Leistungseinfall deutlich. „Einige Spieler ziehen sich in einer Drucksituation in ein Schneckenhaus zurück – das ist verkehrt“, sagt der Sportchef. „Wenn es für einen Spieler läuft, kann ich leicht eine Führungspersönlichkeit sein. Wenn nicht, dann zeigen sich die wahren Persönlichkeiten – und die brauchen wir jetzt.“

Da dürfte sich auch Qurin Moll angesprochen fühlen. Auch er startete sehr gut in die Saison – in Karlsruhe wurde er zur Halbzeit rausgenommen. „Er kann nicht aus der Zweiten Liga hierherkommen und sagen: jetzt bin zweimal ausgewechselt worden und habe drei Fehlpässe gespielt und jetzt bin ich mit mir nicht so zufrieden. Der muss jetzt Persönlichkeit zeigen.“ Gorenzels Forderung: Weniger Gedanken machen! „Er denkt über seine eigene Leistung und das Umfeld nach und wie er die Mannschaft mitreißen kann.“

Mit dem Problem steht Moll nicht alleine da. Auch bei Nico Karger sieht der Sportchef den Grund für die schwächelnden Leistungen im Kopf. „Nico ist momentan viel zu kopflastig. Er muss sich nur auf seine Aufgaben konzentrieren, auf den nächsten Pass, den nächsten Zweikampf, die nächste Ballmitnahme.“ Gegen Zwickau muss jetzt eine Reaktion her – nicht nur von Grimaldi, Moll und Karger.

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