Wie im Traum

von Redaktion

Arjen Robben erinnert bei Bayerns Sieg über Benfica an seine besten Zeiten

VON ANDREAS WERNER

München – Die Gesänge aus der Fankurve in Fußballstadien sind ritualisiert, im Großen und Ganzen. Beim FC Bayern gibt es natürlich auch eine Handvoll Standards, die in der Arena erklingen. Einen Dauerschlager intonierte der Anhang gestern Abend vor dem Anpfiff der Champions League-Partie gegen Benfica Lissabon: „Europapokal, Europapokal“, skandierte die rot-weiße Fangemeinde in einer Endlosschleife, das war gewagt, denn von großen Zielen in Europa ist man angesichts der Verfassung der letzten Wochen ein gehöriges Stück entfernt. Gut 20 Minuten später stimmten sie einen anderen bayerischen Kurvenhit an: „Ich hab’ geträumt von dir – der Arjen hat’s gemacht.“ Der Adressat hatte mit zwei Toren dafür gesorgt, dass man auch nach der Winterpause noch mutig vom Europapokal singen darf.

Robben erinnerte gestern an seine besten Zeiten. In der ersten Hälfte spielte er fast wie im Traum, ganz gemäß der Hymne, die die Anhänger ihm zu Ehren singen, seit er sich mit seinem 2:1-Siegtreffer im Finale der Königsklasse im Mai 2013 unsterblich in den Annalen verewigte. Der Niederländer ist eine dieser Figuren, an denen sich die aktuelle Misere des FC Bayern manifestiert: Er hat unschätzbare Dienste geleistet und ist an guten Tagen noch immer einer, der die Menge Hymnen singen lässt. Aber auch an diesem 34-Jährigen geht die Zeit nicht spurlos dabei, und sie behandelt Leistungssportler erbarmungslos. Robben selbst hatte neulich gesagt, er werde nun sicher nicht mehr besser werden. Das Ziel müsse sein, möglichst langsam schwächer zu werden.

Nach 13 Minuten tankte sich der Flügelflitzer auf seiner rechten Flanke durch, wie es man von ihm seit einem guten Jahrzehnt kennt; ganze drei Portugiesen ließ er stehen und schoss dann in den äußeren Winkel – seine Spezialität, seit Menschengedenken. Eine knappe Viertelstunde später setzten ihn Thomas Müller und Robert Lewandowski so gut in Szene, dass er auf und davon stürmen konnte. Robben narrte wieder mehrere Gegner und schoss in den rechten Winkel. Hätte Müller seinen Lupfer Minuten danach ins Tor geköpft (Benfica-Keeper Odisseas Vlachodimos schaufelte den Ball aber noch über die Latte), hätte sich der Niederländer auch noch als Vorarbeiter verdient gemacht. Doch auch so waren die frühen klaren Verhältnisse zum Großteil sein Verdienst.

In der Schlussviertelstunde nahm Niko Kovac seinen Mitarbeiter des Tages vom Feld. Die Fans erhoben sich von ihren Sitzen, um Robben mit einem Sonderapplaus zu ehren. Und auch gesanglich begleiteten sie den Abgang des Niederländers stimmig. „Keine Panik auf der Titanic – wieder alles im Griff auf dem sinkenden Schiff“, intonierten sie zunächst, und dann noch eine Weile: „Wir holen den Cup nochmal.“ Robben sei Dank: Der Traum lebt.

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