München – Wer einmal auf höchster Stufe angekommen ist, der möchte den Blick nicht mehr nach unten richten. Und so hat auch Karin Orgeldinger, die Sportdirektorin des Deutschen Skiverbandes, schon vor einigen Wochen die Latte für ihre Athleten hochgelegt: „Wir wollen das Niveau des Vorjahres wieder erreichen.“
Gerade für die Vorzeigeabteilung Biathlon ist das ein ordentlicher Rucksack: 18 Podestplätze im Weltcup, deren sieben beim Großereignis Olympia sind ein stattlicher Maßstab. Vor allem wenn man bedenkt, dass Hauptlieferantin Laura Dahlmeier (12 Podestplätze) nach ihren gesundheitlichen Problemen frühestens im Januar wieder einsteigt. Den neuen Chefcoach Mark Kirchner indes kann das nicht schrecken. „Wir haben sicher das Zeug, immer vorne mitzulaufen“, sagte er, „auch wenn sich unsere Form in Richtung WM entwickeln wird.“ Aber Kirchner hat sie ja auch, die Läufer, die das Zeug haben, aus Dahlmeiers Schatten zu treten.
Denise Herrmann
Im vergangenen Jahr hatte die Quereinsteigerin aus dem Langlauf-Lager zum Start die Hoffnungen geschürt. In Östersund holte sie gleich die ersten zwei der insgesamt zehn Saisonsiege des DSV. Ganz so hoch sollte die Wahl-Ruhpoldingerin nicht bleiben, im Gesamt-Weltcup stand am Ende Platz 12. In diesem Jahr wähnt sich Herrmann noch ein bisschen besser in Schuss. Individuelles Schießtraining hat ihr zu mehr Kontinuität am Stand verholfen – doch auch ihre Stärke in der Spur wurde nicht vernachlässigt. „Das neue Trainerteam hat im Sommer auf hohe Umfänge und hohe Intensitäten gesetzt, wie ich es vom Langlauf her kenne“, sagte sie, „Das hat mir getaugt.“ Am Wochenende kann sie den Beweis antreten: Im Mixed ist Herrmann mit von der Partie.
Franziska Preuß
Sie ist so etwas wie die Wundertüte im deutschen Team. Läuferisch muss Franziska Preuß niemanden in der Szene fürchten. Was möglich ist wenn es auch am Schießstand funktioniert, hat die Haagerin in der Vergangenheit schon des Öfteren bewiesen. Das einzige Problem: Die Gesundheit. Immer wieder bremste der eigene Körper die 24-Jährige ziemlich unsanft aus. Doch wenn das einmal ausbleibt, ist ihr alles zuzutrauen.
Vanessa Hinz
Hand aufs Herz: Hätten Sie es gewusst, wer die dritte deutsche Weltcupsiegerin des letzten Winters neben laura Dahlmeier und Denise Herrmann war? Im Massenstart von Kontiolahti ließ die Schlierseerin die gesamte Konkurrenz hinter sich. Die Disziplin scheint ihr zu liegen. In fünf Starts landete sie vier mal in den Top-10 –Platz drei in der Saisonwertung war ein verdienter Lohn. Und in diesem Jahr? Hat ihr das umfangreichere Lauftraining nur bedingt geschmeckt: „Im Sommer war es teilweise zäh.“ Doch pünktlich zur Saison geht die Formkurve nach oben. „Seit der Deutschen Meisterschaft fühle ich mich gut und fit“, sagte sie. In der Mixedstaffel kann Hinz den Beweis gleich antreten.
Benedikt Doll
Er ist der Mann für die Großereignisse. Im Sprint ist der Mann aus Titisee aktueller Weltmeister, in der Verfolgung bescherte der 28-Jährige dem DSV Bronze in der Verfolgung. Doch Doll ist zuversichtlich, dass es in diesem Winter auch im Weltcup zu ähnlichen Highlights reichen könnte. Die Vorbereitungsrennen in Norwegen haben ihm Selbstvertrauen gegeben. „Ich bin entspannt“, sagte er, „es klappt alles eigentlich schon ganz gut, und auch am Schießstand lerne ich noch dazu.“
Arnd Peiffer
Die ganz großen Fleischtöpfe hat der Mann eigentlich schon abgehakt. „Unter normalen Umständen sind Martin Fourcade oder Johannes Bö nicht zu schlagen“, urteilte Arnd Peiffer, „dafür sind die beiden einfach zu stark.“ Sein Trainer Mark Kirchner gibt ihm da nur teilweise Recht. Für den Gesamtweltcup möge das gelten, auch wenn Peiffer die vorjährige Jahreswertung als Nummer vier beendete., aber in Einzelrennen sei gerade Läufern wie ihm alles zuzutrauen. Olympia in Pyeongchang gibt Kirchner Recht – im Sprint hübschte er die ohnehin starke deutsche Bilanz mit einer Goldmedaille auf. Der 31-Jährige hätte gewiss nichts dagegen, wenn es bei der WM in Östersund ähnlich liefe. Doch vorläufig brennt er erst einmal darauf, dass es überhaupt wieder um Punkte und Trophäen geht. „Es wird Zeit, dass es jetzt wieder losgeht – nur Training ist einfach auch nix.“
Erik Lesser
Während Kollege Peiffer auf den Start brennt, ist Erik Lesser gedanklich eigentlich nicht im Sommer. „Es fühlt sich noch ein bisschen fremd an, jetzt wieder Weltcup laufen zu müssen – oder zu dürfen“, sagte er. Man bereite sich vor, aber wenn es dann losgehe, „ist man doch nie so richtig bereit“. Dabei ist der 30 Jährige gar nicht unbedingt ein Spätstarter. Mit Platz drei im Sprint von Östersund bescherte er seinem Team im letzten Jahr gleich den ersten Podestplatz. Vielleicht kein schlechtes Omen für den Verfolgungs-Weltmeister von Kontiolahti 2015 – im schwedischen Weltcup-Ort finden im März die Weltmeisterschaften statt.
Das weitere Aufgebot
Für die Wettbewerbe in Pokljuka holten die Bundestrainer noch fünf weitere Athleten in ihr Aufgebot. Bei den Männern darf sich neben Simon Schempp und Johannes Kühn auch der Frankenhainer Philipp Horn versuchen. Die Staffel-Expertin Frantziska Hildebrand und Rückkehrerin Karolin Horchler komplettieren das Aufgebot der Frauen.