München – Es ist derzeit nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen in der Welt des FC Bayern, das wurde schon vor der Jahreshauptversammlung klar. Im Oberrang des Audi Domes hob sich eine Fahne von den üblichen Bannern ab: „Not my president“ stand drauf zu lesen, nicht mein Präsident, und die Flagge war pointiert gewählt: Es war die von Nordkorea. Uli Hoeneß in die Nähe von Kim-Jong Un zu rücken, ist hart, doch es blieb eine Fußnote des Abends. Es gab lange keine Buhrufe unter den 1682 Mitgliedern, nur am Ende nach einem harten Wortbeitrag, meistens Applaus, und stilbildend wurde Hoeneß’ Kampfansage für die restliche Saison: „Das war’s noch nicht.“
Der Präsident hatte mit der These begonnen, dass „manches leichter“ fallen würde, wäre die Versammlung im September abgehalten worden. „Damals dachten wir, wir schaffen den Umbruch locker.“ Als er Jupp Heynckes dankte, gab es Applaus, „wir haben nicht umsonst alle um ihn gekämpft“, so Hoeneß, der Niko Kovac aber auch als einen „sehr guten, jungen Trainer“ lobte, „der eine Chance verdient hat“. Auch hier spendeten die Fans Beifall.
Hoeneß verteidigte, dass man die Verträge von Franck Ribery und Arjen Robben verlängerte. „Dankbarkeit ist in diesem Geschäft eine Sache, die sich der FC Bayern leisten sollte“, meinte er und erhielt Zustimmung. „Es wird ein schweres Jahr, obwohl die Messe noch nicht gelesen ist.“ Nach vielen Gesprächen in der letzten Woche sei er „überzeugt, dass es einen Schulterschluss zwischen Mannschaft und Trainer gegeben hat. Ich habe die Hoffnung, dass es noch eine ganz gute Saison werden kann.“
Karl-Heinz Rummenigge meinte später: „Unser Wunsch ist, dass Kovac noch lange unser Trainer bleibt.“ Über den Umbruch in der Führungsetage meinte Hoeneß, Rummenigge werde bis Weihnachten entscheiden, ob er als Vorstandschef über 2019 hinaus bleibt: „Ich würde mich sehr, sehr freuen, wenn er zwei Jahre weitermacht.“ Der Name Oliver Kahn spiele eine Rolle, erklärte er, auch hier gab es Applaus, „aber das ist kein Thema für heute oder morgen“. Man werde sich nicht an der öffentlichen Debatte beteiligen, „wir machen das im stillen Kämmerlein“. Im Februar bei der nächsten Aufsichtsratssitzung käme das Thema auf die Agenda.
Bereits beschlossen sei, verriet der Clubchef, „dass wir nächstes Jahr im größeren Stil investieren werden“. Schon in diesem Sommer hätte man investieren können, „aber wir alle in der Führung sind der Meinung gewesen, das schöne Geld nicht schon jetzt auszugeben“.
Als sich Hoeneß „noch eine Bemerkung zu unserer Pressekonferenz“ gönnte, reagierte das Publikum spöttisch. „Die Pressekonferenz war aus unserer Sicht notwendig, weil der Verein seine Spieler schützen muss“, sagte er. „Die Art und Weise ist aber sicher verbesserungswürdig.“ Dem Gelächter in der Halle musste sich Hoeneß dann selbst schmunzelnd anschließen: „Wenn wir das noch einmal machen, werden wir uns vielleicht noch besser absprechen und eine bessere Tagesform abrufen.“
Die Schatulle zu öffnen, wird unterdessen kein Problem. Der Umsatz beläuft sich auf 657,4 Millionen Euro, das operative Ergebnis liegt bei 136,5 Millionen, es bleibt ein Überschuss von 29,5 Millionen. Das Eigenkapital der AG wurde mit 451,3 Millionen angegeben. Der Campus soll in spätestens drei Jahren abbezahlt sein.
Die Vorstände Jan-Christian Dreesen und Jörg Wacker haben ihre Verträge um fünf Jahre verlängert, sagte Hoeneß, nach dessen Rede viele den Heimweg antraten. Sie hatten das Wichtigste gehört, verpassten aber Rummenigges Loblied auf Hoeneß: „Du bist der Mister FC Bayern. Das ganze Gebilde hier hast du geschaffen.“
Wieder Applaus, ebenso beim Wunsch nach „manchmal etwas mehr Ruhe und Gelassenheit“.