Augsburg – „Schie-ber, Schie-ber“, das war mal ein beliebter Schlachtruf der Fans von Borussia Dortmund – und er galt nicht dem Schiedsrichter und drückte auch nicht Unzufriedenheit – sondern frohe Erwartung. „Schie-ber, Schie-ber“ war die Ansage von den Rängen, wenn Julian Schieber eingewechselt wurde.
Schieber, klassischer Mittelstürmer, an seinen guten Tagen ein Knipser. Darum hatte ihn der BVB 2012 geholt. Vor allem in der Saison 2010/11, als er beim 1. FC Nürnberg die komplette Saison bestritten und sich mit sieben Toren und neun Vorlagen in der Bundesliga, dazu drei Pokaltreffern, in den Dunstkreis der Nationalmannschaft gespielt hatte. In Dortmund wurde Schieber hinter Robert Lewandowski zumindest eine Art Stamm-Joker.
Seitdem hat man Julian Schieber aber fast vergessen. In den vergangenen vier Jahren stand er bei Hertha BSC inter Vertrag. Ein Teilzeitarbeiter – und zuletzt nicht einmal mehr das. Im Februar 2017 zog er sich einen Knorpelschaden im Knie zu. Danach kam nichts mehr.
Seit Beginn dieser Saison steht Schieber, mittlerweile 29, beim FC Augsburg unter Vertrag. Er selbst spricht vom „Risiko Julian Schieber“, das ein Verein mit seiner Verpflichtung nun mal eingehe. Auch in Augsburg ging es für ihn los mit einem operativen Eingriff am Sorgenknie. „Es hatte mit der Vorschädigung nichts zu tun, da hat einfach was Kleines geklemmt“, sagt er, „aber man musste das Gelenk aufmachen, um reinzuschauen“. Er begann beim neuen Arbeitgeber also gleich mit einer Ausfallzeit. Das Risiko Julian Schieber eben. Die ersten zehn Spiele stand er nicht zur Verfügung. In Hoffenheim (der FCA verlor 1:2) wurde er in der Nachspielzeit eingewechselt, gegen Eintracht Frankfurt (1:3) spielte er 72 Minuten im Sturmzentrum. Hernach musste er sein Routineprogramm abspulen: „Das Knie runterkühlen. Pflege muss sein.“ Das hat er gelernt.
Sein Debüt – er vertrat den Nummer-eins-Mittelstürmer Alfred Finnbogason – verlief schmucklos. „Ich hätte auch lieber die klassische Fußballstory gehabt: Rückkehr mit Tor“, sagt Schieber. Aber es wäre ja auch eine reizvolle Geschichte, am Samstag in Stuttgart zu treffen. Beim VfB, dem Heimatverein des Backnangers Julian Schieber. „Mit drei Punkten könnten wir den VfB auf Distanz halten.“ Der FCA ist leicht abgerutscht, obwohl er ja ganz gut spielt. Platz 13. Sportgeschäftsführer Stefan Reuter meint: „Die Situation ist für uns nicht ungewohnt. Die Mannschaft flattert nicht.“
Der FC Augsburg glaubt an seinen Kader – inklusive Schieber. „Ein spielintelligenter Junge“, findet Stefan Reuter. „Er passt richtig gut in unser System“, glaubt Trainer Manuel Baum.
Und auch Schieber ist bis jetzt mit seiner Vereinswahl zufrieden. „Der FCA hat sich in meiner Verletzungszeit sehr gut verhalten.“
Die Hoffnung lebt, dass man ihn auch bei Augsburger Spielen mit dem Dortmunder „Schieber“-Ruf begleitet.