Basketballkrise in Bamberg

Die Launen des Milliardärs

von Redaktion

CHRISTOPHER MELTZER

Um zu verstehen, wie der Milliardär Michael Stoschek tickt, muss man sich einen Fall anschauen, der mit Basketball nichts zu tun hat. In Coburg, seiner Heimatstadt, weigerten sich die Stadträte 2004, eine Straße nach seinem Opa Max Brose zu benennen, der einst den Automobilzulieferer Brose gründete, aber später eben auch Mitglied der NSDAP war. Stoschek, heute Hauptgesellschafter von Brose, fing einen Streit mit der Stadt an und strich sozialen Einrichtungen in Coburg sogar die Spenden. 2015 entschied der Stadtrat schließlich, die Straße doch nach Max Brose zu benennen. So ist das meistens: Wenn Michael Stoschek etwas will, bekommt er es auch.

Nun zum Basketball: Seit 2006 investieren Brose – und auch Stoschek selbst – viel Geld in einen Verein, der seitdem schon im Namen eng mit dem Unternehmen verbandelt ist: Brose Bamberg. Wieder bekam Stoschek, was er wollte: Acht Meisterschaften in zwölf Jahren. An guten Tagen spielte Bamberg so schön wie keine deutsche Mannschaft zuvor. Weil Stoschek immer noch etwas drauflegte.

Doch in Bamberg zeigt sich gerade, warum es nicht klug ist, sich von einem superreichen Geldgeber abhängig zu machen, schon gar nicht von einem launischen. Als sie im Sommer Titel und Vorherrschaft an den FC Bayern verloren, rief Stoschek sofort zum Sparen auf. Am Mittwoch feuerte Bamberg nun Geschäftsführer Rolf Beyer. Am Freitag sagte Stoschek: „Gravierende Managementfehler.“

Es gibt in dieser Bamberger Chaoswoche vieles, was nicht zusammenpasst. Dass der Club Verluste machte, weiß in der Szene jeder. Es mag sein, dass Beyer, ein Quereinsteiger, manchem Spieler mehr bot, als er eigentlich wert ist. Angeblich plante er auch Geld ein, dass noch nicht da war. Doch es war Stoschek, der Beyer, den Brose-Controller, zum Basketballmann machte. Im Aufsichtsrat sitzen dazu drei Brose-Vertreter, auch Stoschek. Schwer zu glauben, dass ihnen die Millionendefizite nicht auffielen.

Vielleicht muss man sich daher noch einen Fall ansehen: Als der Sportdirektor Daniele Baiesi 2017 von Bamberg zum FC Bayern wechselte, behauptete Stoschek, dass Baiesi aus gesundheitlichen Gründen gehen wollte. Eine rufschädigende Einschätzung. Er musste das offiziell zurücknehmen, Baiesi hatte fristgerecht gekündigt. Auch Rolf Beyer wollte 2019 gehen, zurück in die Wirtschaft. Es gibt nun manche, die vermuten, dass Stoschek nach-tritt. Die Folgen? Sind dem Milliardär in der Laune egal. So ist das, wenn er nicht bekommt, was er will.

christopher.meltzer@ovb.net

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