Unterhaching – Jonas Sagstetter verkörperte den Zwiespalt auf Seiten der Hypo Tirol Alpenvolleys Haching vielleicht am deutlichsten: Gerade hatte er mit 19 Jahren im Europapokal debütiert und trotz relativ kurzer Einsatzzeit gegen Vojvodina Novi Sad in der Schlussphase tatkräftig beim 3:2 (25:19, 25:20, 21:25, 25:27, 15:13 )-Sieg mitgeholfen. „Es war megacool, am Ende des Spiels auf dem Feld zu stehen und dann auch noch zu gewinnen“, freute er sich auch. Gleichzeitig trauerte der Außenangreifer der vergebenen Chance auf einen deutlicheren Erfolg hinterher: „Wir hätten es nach dem 2:0 zumachen müssen.“
Tatsächlich schien das Volleyball-Gemeinschaftsprojekt aus Unterhaching und Innsbruck auf ein klares 3:0 zuzusteuern, das eine günstigere Ausgangsposition für das Rückspiel am kommenden Mittwoch und damit das Erreichen des CEV-Pokal-Achtelfinales beschert hätte. Doch bei einer 2:0-Satzführung und einem 13:10-Vorsprung im dritten Durchgang gerieten die Alpenvolleys plötzlich ins Wanken: Sie gaben sieben Punkte in Folge ab, und das, wie ihr Sportdirektor Mihai Paduretu fand, „ohne dass die Serben etwas Besonderes gemacht haben.“
Auch Trainer Stefan Chrtiansky verortete das Problem nicht bei der Stärke des Gegner, sondern in den Köpfen seiner Spieler: „Wir haben im dritten Satz angefangen zu zweifeln, es hat alles gewackelt, Annahme, Angriff, Aufschlag. Gerade das Service hätten wir mit Risiko durchziehen müssen, denn die Serben sind gefährlich, wenn sie merken, dass sie eine Chance haben.“ Beim 13:17, mit dem die Weichen in diesem dritten Satz gestellt waren, durfte Sagstetter, der als Deutscher U20-Meister mit dem TSV Unterhaching ganz alleine den oberbayerischen Anteil im Kader der transalpinen Grenzgänger repräsentiert, erstmals aufs Parkett, an Stelle von Hugo de Leon, der laut Paduretu „einen rabenschwarzen Tag“ erwischt hatte. Trotzdem setzte Chrtiansky bald wieder auf die Erfahrung des Brasilianers. Als Sagstetter das Feld verließ, hatten die Alpenvolleys immerhin auf 18:20 verkürzt.
Der Verlust des Durchgangs war zwar nicht mehr abzuwenden, und auch der vierte Satz ging nach hartem Kampf mit 25:27 knapp verloren. Doch Sagstetter hatte sich für weitere Aufgaben empfohlen – und die galt es im Tie Break ab dem Stand von 10:9 zu bewältigen. Das tat der junge Außenangreifer im wahrsten Sinne des Wortes unaufgeregt: „Nervös bin ich eigentlich immer nur bei der ersten Einwechslung, nach meinem ersten Aufschlag fühle ich mich dann wohl.“ Chrtiansky schätzt die Ruhe, die sein jüngster Spieler ausstrahlt: „Ich hatte keine Angst, ihn in dieser schwierigen Situation zu bringen. Man sieht im Training, dass er immer besser wird. Und er hat in der Annahme stabil und souverän gespielt, dazu gut aufgeschlagen.“ Damit steuerte Sagstetter seinen kleinen, aber wichtigen Teil zum Sieg bei, den Thomas Hodges mit dem ersten Matchball nach zwei Stunden Spielzeit per Block unter Dach und Fach brachte.
Am Sonntag (18.00 Uhr, Olympiahalle Innsbruck) in der Bundesligapartie gegen die Berlin Recycling Volleys wird sich Sagstetter wieder in der zweiten Reihe einordnen. Er ist noch weit davon entfernt, Ansprüche auf einen Stammplatz zu erheben: „In dieser Saison will ich viel trainieren, und ich freue mich über jede Einsatzzeit.“ Weniger zurückhaltend klingt allerdings seine Kampfansage in Richtung des Titelverteidigers aus der Hauptstadt: „Wir sind nicht ohne Grund Tabellenführer. Berlin ist bis jetzt noch nicht so stabil und auf jeden Fall schlagbar.“