Reinigendes Gewitter

von Redaktion

Nach einer internen Aussprache hofft 1860 auf eine Trendwende

München – Es weihnachtet sehr – jetzt auch beim TSV 1860. Am Eingang des Trainingsgeländes versprüht ein Christbaum Lamettaglanz, der Fanshop bewirbt „weißblaue Geschenkideen“ (fünf „Weihnachtskugeln“ zu 14,95 Euro) – und für Sonntag, 18 Uhr, ist das traditionelle Adventssingen im 60er-Stadion angekündigt.

Der Auftrag ans Drittliga-Team dürfte somit klar sein: Gegen den FSV Zwickau am Samstag müssen drei Heimspiel-Punkte her, damit das Krisengerede verstummt und sich anderntags keine Misstöne ins feierliche Liedgut mischen. Das Absingen von Jingle Bells und anderen Klassikern („Löwenmut“) erwärmt ja nur dann die Seele, wenn sich an gleicher Stätte nicht eine weitere sportliche Enttäuschung ereignet hat. Bekanntlich boten die letzten zehn Spielen ohnehin wenig Anlass für Freudengesänge: Gerade mal ein Sieg sprang seit Ende August heraus.

Eine gewisse Anspannung war dann auch spürbar, als Daniel Bierofka am Freitag im Nieselregen vor die Presse trat. Einerseits wirkte der Coach erleichtert, weil sein Team unter der Woche wertvolle Signale ausgesendet hat – bei einer internen Aussprache sei einiges an Irritationen ausgeräumt worden. Andererseits: Noch sind die drei Punkte ja nicht im Sack.

Zwickau ist wie Halle unlängst ein zutiefst undankbarer Gegner. Name, Vereinshistorie und Wappen (drei Schwäne) laden zur Geringschätzung ein. Die Saisonbilanz der Sachsen ist jener der Löwen aber nicht unähnlich: vier Siege, sieben Unentschieden, fünf Niederlagen. Selbst die Anzahl der Gegentore ist identisch (19). Nur was die Angriffspower betrifft, darf sich der prominente Gastgeber im Vorteil fühlen (25 Tore gegenüber 20).

Dumm, dass ausgerechnet jetzt der Spieler schwächelt, der an knapp der Hälfte aller Löwen-Tore beteiligt war. Adriano Grimaldi (fünf Treffer, sechs Assists) schleppt neben einer kleinen Formkrise eine akute Hüftverletzung mit sich herum. Am Donnerstag wurde er geschont. Im Abschlusstraining am Freitag war er zwar wieder dabei. Trotzdem ist sein Einsatz gegen Zwickau fraglich. „Ich kann momentan noch nicht sagen, ob er spielfähig ist“, so der 1860-Coach.

Aber: Wichtiger als ein einzelner Spieler ist Bierofka ohnehin, dass seine Mannschaft wieder zu jener Geschlossenheit zurückfindet, die sie im Aufstiegsjahr ausgezeichnet hat. „Es war wichtig, dass sich die Jungs mal untereinander die Meinung gesagt haben“, findet Bierofka, der nicht bei der Aussprache dabei war, aber den Anstoß dazu gegeben hatte: „Ich hab ganz klar angesprochen, dass mir da momentan was auffällt. Es ist wichtig, dass sie Dinge ausgeräumt haben, die im Raum gestanden sind. Ich denke, dass das viel gebracht hat.“

Der Rahmen am Samstag wird trotzdem anders sein als sonst. Beide Teams protestieren gegen die geplatzte Regionalligareform, indem sie nach dem Anpfiff 60 Sekunden lang nur rumstehen werden. Und auch der Anhang tritt temporär in den Anfeuerungsstreik. Eine Maßnahme, die an den DFB gerichtet ist.

Ob die 1860-Profis dann am Sonntagabend mitsingen werden, hängt laut Bierofka vom Spielausgang ab. „Für mich zählt nur der Samstag“, erklärte der Coach: „Danach werden wir entscheiden, ob wir hingehen.“ ULI KELLNER

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