Schluss mit Nettigkeiten

von Redaktion

Kovac schlägt beim FC Bayern einen neuen Kurs ein – „Großteil Fixstarter“

VON ELISABETH SCHLAMMERL

München – Die gute Nachricht für Niko Kovac ist, dass sich die Situation beim FC Bayern entspannt. Vor allem die personelle. Der Trainer des deutschen Rekordmeisters muss im Bundesligaspiel am Samstag bei Werder Bremen den Kader nicht mehr mit Spielern der zweiten Mannschaft ergänzen, weil sowohl die beiden Langzeitverletzten Kingsley Coman und Thiago als auch der leicht angeschlagene Serge Gnabry wieder zur Verfügung stehen. Nur Mats Hummels (Infekt) blieb in München.

Aber auch für Kovac persönlich hat sich seit dem souveränen Sieg in der Champions League gegen Lissabon etwas verändert. Die Verantwortlichen rückten wieder näher an ihn heran, halten aber den Druck aufrecht. „Ich wünsche mir, dass er nicht nur an Heiligabend 2018 unser Trainer ist, sondern auch an Heiligabend 2019 und 2020“, sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge am Donnerstag am Rande einer Veranstaltung in Bad Wiessee der „Abendzeitung“. Ausschlaggebend seien allerdings die Ergebnisse, die müssten stimmen, stellte der Clubchef klar. „Platz fünf ist nicht der Platz, der am Ende der Saison belegt werden darf.“

Eigentlich dürfen sich die Bayern ja nie so weit weg von der Spitze und jenseits der zur Champions League-Teilnahme berechtigenden Tabellenregion befinden. In Bremen gilt es deshalb, ans Benfica-Spiel anzuknüpfen – und Rummenigge hat die Hoffnung, dass dies gelingt. „Ich sehe einen Trainer, der kämpft, der bereit ist, ein paar Dinge zu verändern“. sagte er.

Kovac hat sich bei Bayern in den ersten fünf Monaten den Ruf eines smarten und freundlichen Trainers erworben, auch im Umgang mit seiner Mannschaft. Aber wer es in einem Starensemble wie dem der Bayern allen Spielern recht machen will, läuft Gefahr, genau daran zu scheitern. Der 47-Jährige, der früher als Spieler zu seinen Gegnern selten nett war, hat sich in den vergangenen Tagen hinterfragt. „In den fünf Monaten hier gab es Sachen, die gut waren und Sachen, die nicht so gut waren“, stellte er fest. Als erste Konsequenz seiner Reflexion stellte er im Mittelfeld um, Dauerhaft und nicht nur wie bisher sporadisch werden die Bayern mit einer Doppel-Sechs antreten. „Die gibt uns Stabilität“, sagte Kovac.

Außerdem wird der Bayern-Trainer nicht mehr versuchen, es jedem Spieler recht zu machen. Zu Saisonbeginn hatte er auf eine Radikalrotation gesetzt, weil Kovac der Meinung war, jeder in dem hochkarätigen Kader habe „das Anrecht viel zu spielen“, sagte er. Als sich die Ausfälle häuften, sei zwar keine Rotation mehr möglich gewesen, aber dann hätte „die Drucksituation von hinten,“ gefehlt, wie Kovac feststellte.

Jetzt, da der Kader wieder ganz gut gefüllt ist, sucht er den Mittelweg. „Ich habe mich entschieden, dass ich schon ein Gerüst haben werde, wo der Großteil Fixstarter ist und der eine oder andere dementsprechend immer wieder reinkommt“, sagte Kovac. Es geht nun nicht mehr um alte Meriten, sondern vor allem um die aktuelle Leistung. Gegen Lissabon habe es die Mannschaft gut gemacht – und diese Mannschaft“, erklärte Kovac, „hat dann auch das Vertrauen“. Auf jeden Fall an diesem Samstag in Bremen.

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