Düsseldorf – Auf den ersten Blick schien alles wie immer. Als Alfons Hörmann nach seiner erfolgreichen Wiederwahl zum Podium schritt, gab es für ihn Standing Ovations – und doch war alles anders: Erstmals in der Geschichte musste sich ein DOSB-Präsident einer Kampfabstimmung stellen, aber die Palastrevolution blieb aus.
Hörmann gewann gegen den kurzfristig nominierten Gegenkandidaten Martin Engelhardt klar mit rund 86 Prozent (383:61) der gültigen Stimmen. Doch sollten die Vorwürfe des unterlegenen Präsidenten der Deutschen Triathlon Union (DTU) stimmen, herrscht in der deutschen „Sportfamilie“ ein ganz anderes Klima, als es der organisierte Sport nach außen so gerne propagiert.
„Der Präsident Hörmann ist aufgrund seiner rüden Umgangsformen kein Brückenbauer, er ist nicht teamfähig und sehr auf sich bezogen“, sagte Engelhardt nach der Niederlage: „Ich halte Herrn Hörmann nicht für einen guten Präsidenten. Die Olympiabewerbungen waren unprofessionell, über die Reform des Leistungssports kann man streiten, aber das Umgangsverhalten hat nicht dazu beigetragen, weitere Personen zu motivieren, für die Sache einzutreten.“
Engelhardt erklärte überdies: „Ein Athletenvertreter hat mich letztendlich vorgeschlagen, weil die anderen alle Angst gehabt haben, dass sie anschließend bestraft werden könnten.“ Seine Führungsmannschaft in der DTU habe ihm davon abgeraten, zu kandidieren. „Ich habe es trotzdem gemacht, weil ich als geradliniger Mensch nicht anders kann, als das zu tun, was notwendig ist.“
Hörmann selbst vermied Spitzen gegen seinen Kontrahenten und verwies vielmehr auf das „herausragende“ Ergebnis der Abstimmung. „Es ist ein demokratischer Prozess. Das Wahlergebnis bestätigt uns auf eindrucksvolle Art und Weise in unserem bisherigen Handeln“, betonte er: „Ich sage einfach: 86 Prozent sind Antwort genug.“
Direkt nach seiner Wahl hatte er Engelhardt noch direkt angesprochen. „Ich werde, lieber Herr Engelhardt, die Werte, die sie eingefordert haben, mit dem Team herzlich gern umsetzen. Ich werde einen Stil pflegen, der von Transparenz und Offenheit geprägt ist“, sagte er.
An diesen Worten wird sich Hörmann in den nächsten vier Jahren messen lassen müssen. Schließlich steht in der viel diskutierten Spitzensportreform die Umsetzung grundlegender Punkte noch aus. Trotz der deutlichen Etaterhöhung um 70 Millionen Euro auf 235 Millionen seitens des Bundes. Innenminister Horst Seehofer sagte zu den Verhandlungen: „Herr Hörmann kommt nicht ins BMI, um irgendwelche Deals zu machen, sondern hat knallhart seinen Standpunkt. Das ist nicht immer angenehm für uns.“ Zugleich betonte Seehofer: „Er ist uns lieb, aber auch ein teurer Gesprächspartner.“ Im Hinblick auf die Fördermittelerhöhung merkte der Minister an: „Lieber Herr Hörmann, wenn man so viel Geld zur Verfügung hat, muss man es auch ausgeben – und gut ausgeben.“
„Ich bleibe bei meiner These: Wer meint, dass jetzt mit dem Mittelaufwuchs die Probleme gelöst sind, und jetzt in den ,Wellnessmodus‘ geht, der wird sich alsbald eines Besseren belehren lassen müssen“, betonte der Allgäuer: „Die nächsten vier Jahre werden kein Honigschlecken.“