München – Der Stundenweltrekord. Ein Klassiker der Radsportwelt. Michael Teuber spürt gerade, welche mediale Wucht er entwickelt. Er hat die Auswertungen vorliegen: Meldungen in an die 90 (inter)nationalen Zeitungen, Bewegtbilder in der ZDF-Sendung „heute“. Eine große Sache. Teuber sagt: „Ein Highlight meiner Saison, ein Meilenstein meiner Karriere.“
Michael Teuber ist am Freitag im Berliner Velodrom 42,583 Kilometer gefahren. Beachtlich für jeden 50-Jährigen, noch beachtlicher, wenn der 50-Jährige eine Querschnittslähmung hat. Die von Teuber, der als 19-Jähriger Leidtragender eines Autounfalls war, ist inkomplett. Dank einer Restfunktion seiner Oberschenkelmuskulatur kann er Rad fahren, mit Hilfe von Carbonschienen stehen und gehen.
Teuber, fünfmaliger Paralympics-Sieger, ist in seiner Klasse unschlagbar im Zeitfahren – von daher hat er die Ambition auf den Stundenweltrekord auf der Bahn abgeleitet. Ein großes Projekt, „da baut sich über zwei Monate etwas auf“, erzählt er. Vergleichbar mit seiner Besteigung des 6268 Meter hohen Chimborazo in Ecuador.
Sein Gipfelsturm nun auf der Radbahn erforderte einen enormen organisatorischen Vorlauf: „Ich musste den Rekordversuch über den Bund Deutscher Radfahrer beim Weltverband UCI anmelden.“ Teuber hatte auch dafür Sorge zu tragen, dass ein Board erstellt wird, auf dem die Sponsoren vertreten sind und vor dem er im Erfolgsfall für Fotos zur Verfügung steht. Die Materialschmiede FES in Berlin stellte die Maschine für die Bahn. „Und man muss sich natürlich auch noch auf die körperliche Extremleistung vorbereiten.“ Teuber, der viermal Besuch von den Dopingkontrolleuren bekam, trainierte auf der Bahn in Augsburg, der einzigen, die es in Bayern gibt. „Sie ist unbeheizt, es hat sechs bis acht Grad. Da kannst du den Puls nicht auf 190 hochtreiben.“
Zuständig für die Tempokontrolle: Susanne Teuber. „Sie war der Fixpunkt“, sagt Michael über seine Frau, „sie hat mir die Zeiten und den Schnitt zugerufen.“ Er gab alles, überbot seinen Rekord von 2005 um 3,2 km. Strapaziös vor allem für den Rücken: „Man muss eine Stunde die Position halten. Und ich habe nicht den Rücken eines 19-jährigen Stabhochspringers.“ Und, ach ja: Am Morgen war Teuber in Erfurt auch noch die Deutsche Bahnrad-Meisterschaft (3000 Meter) gefahren.
Er siegt weiter. Für sich und das Paracycling, das zum Programm des UCI-Weltcups gehörte. „Großes Lob den Verbänden. Tolle Inklusion und Integration.“ GÜNTER KLEIN