Zwei Tore für Eders Selbstvertrauen

von Redaktion

EHC: Heute erstes Viertelfinale gegen Malmö

VON CHRISTOPHER MELTZER

München – Als er mit weißem Hemd und grauer Mütze aus der Kabine spazierte, versteckte Andreas Eder seine Emotionen ganz gut. Er blieb vor den Reportern stehen, erklärte ruhig, dass seine Eishockeymannschaft, der EHC München, für ihre Geduld belohnt worden sei. Wie Eder wirklich fühlte, war ein paar Minuten zuvor auf dem Eis zu sehen. Als er das erste Mal ins Tor traf, riss er die Arme in die Höhe, ging dann sofort in die Knie und rutschte ein paar Meter. Als er das zweite Mal traf, fiel er seinem Bruder Tobias um den Hals, der das Tor mit einem feinen Pass eingeleitet hatte. Vor der Kabine sagte er dann nur: „Es ist nicht immer einfach, so ist das halt im Eishockey.“

Der EHC München steuert gerade durch einen Abschnitt der Saison, in der einzelne Befindlichkeiten leicht untergehen. Am Sonntag besiegte er den DEL-Vorletzten Grizzlys Wolfsburg – auch dank der Eder-Tore – 5:1, heute Abend (19.30 Uhr/Sport1) spielt er in der Olympia-Eishalle als erste deutsche Mannschaft überhaupt im Viertelfinale der Champions Hockey League (CHL), gegen die Malmö Redhawks aus Schweden. Am Freitag geht’s dann in Nürnberg weiter, und am Sonntag kommt noch der DEL-Erste, die Adler Mannheim. Wie gesagt: Die Wucht des Spielplans überschwemmt gerade die Einzelschicksale.

Es lohnt sich aber, wenigstens den Fall Andreas Eder etwas genauer zu untersuchen. Als im Sommer gleich sechs Stürmer den EHC verließen, kaufte der Verein natürlich neue ein, erinnerte sich aber auch daran, dass er junge Angreifer im Kader hat, die zu gut sind, um nur per Förderlizenz in Riessersee zu spielen.

Vor allem Eder, 22, dem Stürmer aus Tegernsee, traute man zu, dauerhaft seinen Platz in München zu finden – obwohl Trainer Don Jackson im Zweifel eher einem erfahrenen Nordamerikaner als einem jungen Deutschen vertraute. Eder spielt jetzt auch, in der DEL hat er noch keinen Einsatz verpasst. Die Sache ist nur: Obwohl gerade vier sehr erfahrene Stürmer (Wolf, Hager, Jaffray, Christensen) verletzt fehlen, steht Eder weiter nur in der vierten Reihe, die deutlich seltener aufs Eis darf. Am Sonntag spielte er zusammen mit seinem kleinen Bruder Tobias und Ryan Button, einem gelernten Verteidiger.

Es spricht für Eder, dass er auch in dieser Reihe zwei Tore erzielte. Mit der Scheibe ist er sehr trickreich, daran zweifelt keiner. Doch es gibt Experten, die sagen, dass Eder die Geschwindigkeit fehlt. Das erklärt vielleicht auch, weshalb Jakob Mayenschein und Maximilian Daubner (seit Samstag ebenfalls verletzt), beide 21, in der Rangordnung an Eder vorbeigezogen sind. Am Sonntag spielte Mayenschein zusammen mit Matthew Stajan und Justin Shugg – in der ersten Reihe.

„Manchmal schießt du viel, machst viel, arbeitest hart und es passiert gar nix. Heute sind sie zum Schluss reingefallen“, sagte Andreas Eder am Sonntagabend. Anders als auf dem Eis lächelte er aber nicht.

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