London – Eine Darts-WM ohne Phil Taylor, das ist wie die Fußball-Bundesliga ohne den FC Bayern und Borussia Dortmund. Bisher war „The Power“ Taylor Dauer-Erfolgs-Garant der Pfeile-Szene. Bei der Premiere der PDC-WM 1994 stand der Engländer genauso im Finale wie bei seiner letzten Teilnahme 2018. Dazwischen lagen nicht nur 24 lange Jahre und viele große Momente, sondern auch sagenhafte 14 WM-Titel des Darts-Großmeisters.
Jetzt ist er weg – und kommt auch nicht wieder. „Nein, ich werde nicht mehr spielen. Ich habe die Profitour überhaupt nicht vermisst, es ist zu stressig für mich, also gibt es keine Chance auf ein Comeback“, sagte der 58-Jährige. Gut elf Monate nach seinem Abgang als gefeierter Held der Szene schließt Taylor nicht nur ein Comeback als Aktiver aus – er wird auch sonst in keiner Funktion bei der WM (13. Dezember bis 1. Januar) in London auftreten, wie sein Management mitteilt.
Dabei kann der inzwischen 58-Jährige seinen Ruhestand nicht nur genießen, sondern auch exzellent vermarkten. Hunderte Schaukämpfe spielte er in diesem Jahr, trat in Australien auf, tourte durch Großbritannien und präsentierte sich auch seinen Fans in Deutschland. „Ich bin viel gereist, habe viel gespielt und auch viel Zeit mit meiner Familie verbringen können“, erzählt er.
Während sich „The Power“ selbst den Erfolgsdruck genommen und klare Veränderungen an seinem Leben vorgenommen hat, ist die Szene weiter von der Darts-Legende aus Stoke-on-Trent angetan. Der Klassiker „There’s only one Phil Taylor“ wird auf den Rängen noch immer lautstark gegrölt, die Fans tragen seine T-Shirts viel häufiger als die seiner Nachfolger. Das wird auch bei der WM so sein.
Seine Kollegen hegen Bewunderung für den Sportler Taylor – und dafür, wie er den Sport gefördert hat. „Phil Taylor hat Darts natürlich erstmal auf die Karte gebracht. Er hat jeden darauf aufmerksam gemacht. Er ist die Legende unserer Sportart“, sagte Max Hopp, der beste deutsche Spieler auf der Profitour.
Man ahnt: Selbst bei einem Kaltstart in London wäre Taylor wohl sofort wieder konkurrenzfähig, er wirkt frisch und munter wie eh und je. Doch: Ein Comeback etwa im Stile von Lance Armstrong im Radsport lehnt Taylor aber strikt ab: „Ich möchte mehr Zeit zu Hause verbringen, schließlich bin ich fast 60 Jahre alt.“
Und wer wird erster Weltmeister der Nach-Taylor-Ära? „The Power“ tippt auf Darts-Primus Michael van Gerwen – und weist darauf hin, seinen Schützling Adrian Lewis bitte nicht zu vergessen. dpa