Ehliz, der Anti-Held

von Redaktion

Dem Münchner Eishockey-Profi steht das vielleicht schwerste Spiel seiner Karriere bevor – Beim EHC noch punktlos

VON GÜNTER KLEIN

München – Heute wird es im Nürnberger Eishockey was zu feiern geben. Sportlich sind die Ice Tigers derzeit am Boden, Platz zwölf in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), als Meisterschaftsfavorit elf Punkte entfernt von einem Pre-Playoff-Platz. Gut, dass die besseren Zeiten kurz vor Beginn des Spiels gegen den EHC München (19.30 Uhr) wieder aufleben. Es steht an: die „Steven Reinprecht Retirement Ceremony“.

Reinprecht, Kanadier, hatte im Frühjahr mit knapp 42 seine imposante Karriere für beendet erklärt. Nach einer langen Laufbahn in der berühmten NHL (713 Spiele) war er 2012 nach Nürnberg gekommen, er wurde zur Seele der Mannschaft, zu ihrem besten Spieler. Er lebt nun wieder in Kanada, aber kehrt für die finale Ehrung zurück. Seine Familie ist dabei, wenn ein Banner mit seiner Rückennummer, der 28, unters Hallendach gezogen wird, die Ice Tigers spezielle Trikots tragen, um ihn zu ehren, und während des Spiels gegen München über den Videowürfel dann immer wieder Tore aus seiner Zeit in Franken gezeigt werden. Fürs Nürnberger Eishockey hat Reinprecht einen Status, wie ihn nebenan im Fußball Marek Mintal hatte.

Trotzdem: Es wird nicht nur feierlich zugehen in der Eisarena, sondern wahrscheinlich auch Radau-Stimmung geben – was an einem Spieler des EHC München liegen wird: Yasin Ehliz. Sechs Jahre spielte er zusammen mit Patrick Reimer neben dem Center Reinprecht, die Reihe war anerkannt als die beste Sturmreihe in der DEL: Reinprecht, der Regisseur – Reimer, der Verwerter – Ehliz, das Arbeitstier, belastbar, jung, schnell.

Normal würde Yasin Ehliz heute Abend Spalier stehen für seinen Lehrmeister, doch normal ist es für den 25-Jährigen aus Bad Tölz diese Saison nicht gelaufen. Sein Vertrag in Nürnberg, vor einem Jahr erst zu verbesserten Konditionen verlängert, wurde hinfällig, als Ehliz, einer der deutschen Silber-Helden, ein Angebot aus der NHL bekam, von den Calgary Flames. Doch er kam „drüben“ nicht zurecht, fühlte sich als Nummer, auf die bald nicht mehr gesetzt wurde. Schon im November kehrte er nach Deutschland zurück. Nur eben nicht zu den Nürnberg Ice Tigers, die sich auf eine mündliche Zusage beriefen, sondern zum EHC München, dem Meister der vergangenen drei Jahre. Nürnberg wütete auf seiner Vereins-Homepage gegen den Treulosen.

Den hätte man gerne gefragt, wie er dieses spezielle Spiel angehen wird. Indes: Er selbst duckte sich am Dienstag nach dem Champions-League-Match gegen Malmö weg, der EHC ließ gestern wissen, man habe sich entschieden, „Yasin vor dem Spiel in Nürnberg aufgrund der bekannten Problematik nicht sprechen zu lassen. Er soll sich zu 100 Prozent auf Eishockey konzentrieren.“

Für München bestritt er bislang sieben DEL- und zwei CHL-Spiele. In Nürnberg war Ehliz für annähernd einen Scorerpunkt pro Partie gut, in München hat er noch keinen einzigen, obwohl Trainer Don Jackson ihm genügend Eiszeit gibt: im Schnitt 16 Minuten. Aber Ehliz hat noch keine Partner gefunden wie Reimer und Reinprecht.

Es wird ein schwerer Abend für Ehliz. Seine ehemaligen Fans werden ihn als das Gegenprogramm zum Helden Reinprecht wahrnehmen. Was wäre los, wenn er sein erstes Tor schösse?

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