Los Angeles – Die Missbrauchsaffäre um den langjährigen Mannschaftsarzt Larry Nassar bringt den US-Turnverband nun auch in finanzielle Schwierigkeiten. Wie USA Gymnastics am Mittwoch in einem Statement mitteilte, hat der Verband einen Insolvenzantrag gestellt, um die Ansprüche von Nassars Opfern schneller bedienen zu können. Diese hatten umfassende zivilrechtliche Schritte eingeleitet.
„Dieser Antrag wird es USA Gymnastics ermöglichen, seine Athleten weiterhin zu unterstützen, die volle Verantwortung gegenüber der gesamten Mitgliedschaft wahrzunehmen und die Forderungen der Opfer des von Larry Nassar begangenen sexuellen Missbrauchs schnell zu klären“, hieß es in der Mitteilung. Die Verbandsvorsitzende Kathryn Carson ergänzte: „Wir schulden es den Opfern, ihre Ansprüche aufgrund der entsetzlichen Taten der Vergangenheit vollständig und endgültig zum Abschluss zu bringen.“
Für den Anwalt John Manly, der mehr als 150 Opfer Nassars vertritt, sei eine Insolvenz hingegen „keine Methode, die zur schnelleren Abwicklung der Forderungen führt“, wie er mitteilte. Es sei vielmehr „eine Verzögerungstaktik“, um Opfer daran zu hindern, an weitere Informationen in dem Verfahren zu kommen, sagte Manly weiter und warf dem US-Turnverband vor, mit diesem Schritt „seine Beteiligung am Skandal um Nassar vor dem Kongress, den Medien und der Öffentlichkeit zu verstecken“.
Nassar wurde in insgesamt drei Urteilen für den Missbrauch teils noch minderjähriger Opfer zu bis zu 175 Jahren Haft verurteilt. Er hatte sich in den Verfahren jeweils schuldig bekannt, mehrere Mädchen sexuell misshandelt zu haben. Insgesamt waren Anzeigen hunderter Turnerinnen und ihrer Eltern gegen ihn eingegangen, darunter von den Olympiasiegerinnen Alexandra Raisman, McKayla Maroney und Simone Biles. Nasser hatte den Missbrauch einzelner Sportlerinnen stets mit medizinischen Notwendigkeiten begründet. sid/dpa