Volleyball unter Freunden

von Redaktion

Mit Herrsching und den Alpenvolleys treffen sich zwei Clubs mit vielen Gemeinsamkeiten

VON PATRICK REICHELT

München – In den vergangenen Tagen haben sich diese Nachrichten auf dem Mobiltelefon von Andre Bugl wieder gehäuft. Mal waren es Kartenwünsche, mal einfach nur Vorfreude. Wie es eben ist, wenn der Nachbar bei Bugls Herrschinger Volleyballern vorbeischaut. Am Samstag (19 Uhr) treten die Alpenvolleys Haching in der Herrschinger Nikolaushalle an.

Sportlich haben die Männer vom Ammersee mit diesen Treffen ja ganz gute Erfahrungen gemacht. Im Vorjahr verpasste man dem damaligen Liganeuling zuhause eine 3:1-Abreibung und kegelte das grenzüberschreitende Volleyball-Projekt auch noch aus dem Pokal. Doch was fast noch bemerkenswerter war: Die bisherigen Treffen waren volleyballerische Festtage. So ganz ohne die herzhafte Abneigung, die Nachbarderbys so gerne begleiten. „Unser Verhältnis ist freundschaftlich“, sagt Bugl, Herrschinger Gesellschafter und Marketingchef.

Und dass das so ist, hat bei den beiden Vereinen schon eine längere Geschichte. Schon als die Alpenvolleys noch ausschließlich ein österreichischer Topclub waren, haben sich beide Seiten unter die Arme gegriffen. Sogar das ein oder andere gemeinsame Trainingslager hat man absolviert. Als Herrsching vor drei Jahren überraschend in die Playoffs gegen die United Volleys Rhein-Main vorstieß, für die die Nikolaushalle nicht zugelassen ist, fand man das Ausweichquartier wo? Natürlich in Innsbruck. Die Mitbringsel des Herrschinger Event-Transporters und das damit verbundene Spektakel, das der selbst ernannte Geilste Club der Welt dabei veranstaltete, haben in Tirol einen ziemlich nachdrücklichen Eindruck hinterlassen.

Und bei näherer Betrachtung tragen die Herrschinger Verantwortlichen ja auch eine Mitverantwortung daran, dass es die Innsbrucker vor der vergangenen Saison über die Grenze zog. „Wir haben dem Hannes Kronthaler den Tipp gegeben, dass es in der Bundesliga die Wildcard-Situation gibt“, sagt Bugl. Der Innsbrucker Macher sprach prompt in der Berliner Zentrale der Deutschen Volleyball Liga vor. Heute hat die Bundesliga ein neues Schwergewicht. Zum Duell am Samstag reisen die Alpenvolleys als Tabellenführer an. Auch Bugl ist von den bisherigen Auftritten schwer beeindruckt: „Das ist schon ein richtiges Pfund, was da zu uns kommt.“

Doch das Plus seines Clubs ist: Man kann vergleichsweise entspannt an derlei Gelegenheiten herangehen. Während der Nachbar am Ende der Saison das Ticket für die Champions League in der Tasche haben will, haben die Herrschinger die Saison eigentlich schon jetzt als Erfolg verbucht. Wirtschaftlich und strukturell hat man in diesem Sommer einen Schritt nach vorne gemacht und ist jetzt der sich selbst tragende Profibetrieb, der man immer hatte sein wollen. Also ohne wirtschaftliche Vorleistungen der Gesellschafter.

Um das zu gewährleisten, haben die Verantwortlichen um Trainer Max Hauser sogar die Investitionen in den Kader ein wenig reduziert. Dass man derzeit trotzdem auf Platz sechs rangiert und damit in jenem Bereich, der am Ende zur Teilnahme an den Playoffs berechtigen würde, hat sicher auch mit Glückstreffern wie der Verpflichtung von Mittelblocker Alpar Jozef Szabo zu tun. Der Ungar hat zwar nicht die gnadenlose Wucht wie sein kanadischer Vorgänger Andre Brown, „aber er spielt unglaublich effektiv“, wie Bugl feststelle.

Das hat zuletzt auch Düren zu spüren bekommen. Die ambitionierten Powervolleys rutschten am Ammersee in einem begeisternden Spiel mit 2:3 aus. In Herrsching hätte man gewiss nichts dagegen, wenn es den Alpenvolleys ähnlich ergeht. Soweit reicht die nachbarschaftliche Freundschaft dann eben doch wieder nicht.

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