Gelsenkirchen – Als Derbyheld Jadon Sancho aus dem Mannschaftsbus stieg, schossen Raketen in den Himmel. Mit einem Feuerwerk bereiteten rund 750 Fans dem Siegtorschützen und seinen Mitspielern nach der Rückkehr aus Gelsenkirchen einen rauschenden Empfang. Doch nach einer höchst emotionalen Woche war die Freude des englischen Jungstars von Borussia Dortmund nicht ungetrübt. „Das Tor ist für meine verstorbene Großmutter“, sagte der 18-Jährige nach dem 2:1-Erfolg im 175. Ruhrpottklassiker bei Schalke 04.
Sancho war wegen des Todesfalls nach London geflogen und erst am Tag vor dem Derby zurückgekehrt. „Er wollte unbedingt spielen“, so Trainer Lucien Favre. Sportdirektor Michael Zorc zog „den Hut vor einer Ausnahmeleistung“. Nach seinem bemerkenswerten Auftritt streifte sich das Supertalent das gelbe Siegershirt über und stürzte sich in die wilde Kabinenparty. Mit seinem fünften Saisontreffer bescherte er dem BVB den ersten Sieg auf Schalke seit fünf Jahren und blickte danach gen Himmel.
Durch den Erfolg kann der enteilte Tabellenführer die Herbstmeisterschaft bereits am Samstag gegen Bremen klarmachen. „Dieser Sieg gibt eine Menge Selbstvertrauen und Kraft“, sagte Marco Reus und gab die Richtung bis Weihnachten vor: „Wir wollen ungeschlagen bleiben.“
Aus der Kabine dröhnte Rockmusik, die BVB-Stars tanzten in Shirts mit dem Aufdruck: „Die Nummer eins im Pott sind wir.“ 22 Punkte beträgt der Vorsprung auf den Vizemeister, der mit 14 Zählern aus 14 Spielen im unteren Drittel feststeckt.
Während Thomas Delaney mit seinem Führungstreffer schon zum 16. BVB-Torschützen in dieser Saison avancierte und damit einen Ligarekord zu diesem Zeitpunkt aufstellte, trifft Schalke derzeit nur vom Elfmeterpunkt. „Es fehlt die Durchschlagskraft“, klagte Trainer Domenico Tedesco. Der zwischenzeitliche Ausgleich durch Daniel Caligiuri war gegen einen nicht restlos überzeugenden Tabellenführer zu wenig.
Schon vor der Pause hatte Tedesco Guido Burgstaller und damit seinen „letzten nominellen Stürmer“ verletzt auswechseln müssen. Drei weitere Angreifer fehlten ohnehin schon. Mit dem defensiven Mittelfeldspieler Weston McKennie und Linksverteidiger Hamza Mendyl im Angriff spielten die Gastgeber „einen komischen Fußball“, wunderte sich Reus. sid