Ein 65-Minuten-Kampf

von Redaktion

EISHOCKEY Mannheim besiegt München in einem harten Spitzenspiel

VON CHRISTOPHER MELTZER

München – Als David Wolf sah, was Keith Aulie getan hatte, skatete er sofort auf ihn zu. Er zog seine Handschuhe aus, fauchte ihn an – und als Aulie recht bedenkenlos auch seine Handschuhe fallengelassen hatte, prügelten sie aufeinander ein, bis Wolf hinfiel und die Schiedsrichter den Faustkampf beendeten. Ein paar Meter weiter lag Brent Raedeke am Boden, zwei Betreuer behandelten ihn. Raedeke, der Eishockey-Stürmer der Adler Mannheim, war zwei Meter von der Bande entfernt gefahren, als Aulie, der 1,96 Meter große Verteidiger des EHC München, ihn mit viel Wucht rammte. Raedeke flog durch die Luft, fiel aufs Eis – und rutschte gegen die Bande. Er musste danach ins Krankenhaus. In der 14. Minute eskalierte das Spitzenspiel das erste Mal.

An diesem Sonntag haben München und Mannheim, die beiden besten Mannschaften der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), im direkten Duell schon mal angedeutet, was man in den Playoffs erwarten kann. So gutes – und auch hartes – Eishockey sieht man an einem 26. Spieltag selten. In der ausverkauften Olympia-Eishalle (6142 Zuschauer, mit einem vollen Gästeblock) fiel in 65 umkämpften Minuten nicht ein Tor, weil beide Torhüter famos hielten. Erst im Penaltyschießen sicherte Luke Adam seinen Mannheimern den 1:0-Sieg, der die Tabellenführung vergrößerte.

Obwohl auf beiden Seiten wichtige Spieler verletzt fehlten und gerade Mannheim etwas außer Form war (vier Niederlagen in Folge), lieferten die deutschen Spitzenteams ein fantastisches Eishockeyspiel ab – mit sehr hoher Geschwindigkeit und kleinen technischen Höhepunkten. „Ich hätte für dieses Spiel gezahlt“, sagte Adler-Trainer Pavel Gross. Dazu gleich mehr, vorab aber noch einmal zum Check von Aulie gegen Raedeke – und damit zu der Frage: War der Check denn regelkonform?

„Darüber lässt sich streiten“, sagte Mannheims Janik Möser zu „Telekomsport“. Der Münchner Yannic Seidenberg empfand ihn als „hart, aber sauber“. Pavel Gross wollte die Szene nicht bewerten, ohne sie noch einmal gesehen zu haben. Und Don Jackson, der EHC-Trainer, meinte: „Der Puck war in der Nähe, er [Raedeke; d. Red.] hat den Puck davor berührt, er hat versucht, ihn wieder zu berühren. Deswegen gab es auch keine Strafe.“ Dass der deutsche Nationalspieler David Wolf Aulie danach zum Faustkampf aufforderte, wunderte Seidenberg nicht. „Man ist es gewohnt, dass einer für seinen Teamkamderaden einspringt“, sagte er. „Es war ein fairer Kampf – und dann geht’s weiter.“

Auf das Duell zwischen Auund Wolf folgte dann noch ein Zweikampf, der allerdings nicht mit Fäusten ausgetragen wurde, sondern mit dem Schläger und Fanghand. Die Torhüter Danny aus den Birken (München) und Dennis Endras (Mannheim) wechselten sich mit spektakulären Paraden ab. Aus den Birken etwa rettete, als Chad Kolarik ihn aus wenigen Zentimetern mit einem Schuss zwischen seinen eigenen Beinen überlisten wollte. Endras rutschte einmal schnell ins Eck, als Ehliz auf Parkes quergelegt hatte und dieser eigentlich schon das leere Tor vor sich hatte.

Am Ende hatte Endras 35 und aus den Birken 31 Schüsse gehalten – ehe sich der EHC-Goalie im Penaltyschießen einmal austricksen ließ.

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