Köln – Es war windig, es war nass, es war unwirtlich – doch das war der Stimmung in der „Grünwalder Straße“ nicht abträglich. In diesem Fall: In der ins Rheinland verpflanzten „Grünwalder Straße“. Von den 6560 Fans, die sich im zugigen Rund der Kölner Südstadt versammelt hatten, war die Hälfte aus Giesing angereist – was vor dem Anpfiff zu einer imposanten Choreo führte. „Grünwalder Str.“, stand auf den Straßenschildern, die der 1860-Anhang im Kölner Sauwetter reckte. Anspielung auf eine Guerilla-Aktion im Reich des FC Bayern, wo zuletzt ebenfalls besagte Schilder zum Einsatz gekommen waren. Der Subtext lautete allerdings: Hier sind wir dahoam. Hier, im Stadion der Fortuna, gibt’s für die eigentliche Heimelf nichts zu holen.
Angesichts der jüngsten Kölner Resultate (u.a. 0:6, 0:7) war es im Vorfeld um die Frage gegangen, wie hoch wohl die Löwen ihr Auswärtsspiel gewinnen würden. Gar nicht, lautete die Antwort, die nach 90 zweikampfbetonten Minuten feststand. Obwohl der favorisierte Aufsteiger die letzten 35 Minuten in Überzahl spielte (Maik Kegel sah Gelb-Rot), sprang ein mageres 0:0 heraus – was zwar nicht dem tiefenentspannten Löwen-Anhang, dafür aber dem Kapitän dieser Mannschaft die Laune verhagelte. „Wir waren lange ein Mann mehr. Normalerweise musst du das Spiel gewinnen. Das haben wir nicht geschafft“, stellte Sascha Mölders fest und geißelte die externe Erwartungshaltung: „Wir wussten, dass das keine Blinden sind – das ist keine Mannschaft in der Liga.“ Und in Richtung Presse: „Klar habt ihr wieder versucht, Feuer zu legen, wie viele Chancen wir hatten – das ist uns aber wurscht. Wir wissen, dass wir das nächste Spiel gewinnen wollen.“
Dass nichts wurde aus dem zweiten Auswärtsdreier der Löwen, war dem fast schon chronischen Mangel an Zielstrebigkeit geschuldet. „Es hat heute leider die letzte Konsequenz gefehlt“, grantelte Daniel Bierofka: „Schon in der ersten Halbzeit hatten wir gute Umschaltchancen – da kam aber meist der letzte Pass nicht an.“ Nach der Pause hätte sich der Coach dann „mehr Präsenz im Sechzehner“ gewünscht. „Wir haben es gar nicht so schlecht gemacht“, sagte er und zählte auf: „Wir hatten viele Standards, viele Flanken in den Strafraum.“ Allerdings ohne die überraschend wehrhaften Kölner ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Bierofkas bittere Erkenntnis: „Die mangelnde Chancenverwertung zieht sich bei uns durch die ganze Saison. Uns fehlt die Bissigkeit vor dem Tor. Zur Not müssen wir die Bälle halt reinprügeln.“ Einzig Marco Hiller konnte dem 0:0 etwas abgewinnen. „Es war das zweite Zu-Null in Folge“, sagte der Tormann: „Das hatten wir in dieser Saison zuvor noch nicht geschafft.“
Am kommenden Sonntag, im letzten Spiel der Vorrunde, empfangen die Löwen Carl Zeiss Jena, den einzigen Gegner, der noch mehr Tore kassiert hat als Köln (36). Ein Heimsieg ist da Pflicht – schon, um das vordere Tabellendrittel nicht aus den Augen zu verlieren. Daniel Wein gab nach dem Spiel in Köln zu: „Beschissener kann sich ein Unentschieden nicht anfühlen.“ Auch angesichts der Tatsache, dass sich der mitgereiste 1860-Anhang alle Mühe gegeben hatte, Heimspiel-Atmosphäre zu verbreiten.