München – Kurz stutzte Hasan Salihamidzic, als ihm die Frage nach seiner Recherchequelle gestellt wurde, aber dann nahm er sie doch mit Humor. „Gut!“, lobte der Sportdirektor, als ihm ein Reporter unterstellte, er habe sich bei Youtube nach Frenkie de Jong von Ajax Amsterdam erkundigt. Das Videoportal ist ein Reizwort bei den Bayern, seit letztes Jahr die Geschichte die Runde machte, Salihamidzic habe den branchenweit begehrten Franzosen Thomas Lemar (damals Monaco, heute Atletico Madrid) nicht gekannt und sich im Internet erst schlau machen müssen. De Jong jetzt auf Youtube gescoutet zu haben, ist eine Unterstellung, die man dreist und durchaus hinterfotzig finden könnte. Aber irgendwie auch ganz lustig, selbst als Betroffener.
Trotzdem weist der Mann, der für die Kaderplanung verantwortlich ist, mit Nachdruck darauf hin, den jungen Niederländer de Jong, der heute ähnlich umworben ist wie damals Lemar, schon lange zu kennen. Seit anderthalb Jahren, um genau zu sein. „Er hat sich sehr gut entwickelt. Er spielt in der Nationalmannschaft, er spielt bei Ajax hervorragend“, sagt Salihamidzic über den Mittelfeldmann. Praktischerweise wird er ihn beim Champions League-Spiel am kommenden Mittwoch in Amsterdam treffen. Doch dass aus dieser kurzen Begegnung mehr werden könnte, weil die Bayern im Zentrum noch nach Verstärkung suchen, ist in den vergangenen Tagen ein bisschen unwahrscheinlicher geworden.
75 Millionen Euro soll Paris St. Germain angeblich für de Jong (21) bieten, auch wenn niemand weiß, wie sich dieses Kaufverhalten mit den (theoretisch) strengen Anforderungen des Financial Fairplay vereinbaren lässt. Selbst für einen Club wie die Bayern, der nicht nur Geld hat, sondern auch Handlungsbedarf, ist diese Konkurrenz ein arges Hindernis. Wenn es mit ihnen und dem Ajax-Profi nicht klappt, werden sie anderswo weiterfahnden, kündigte Salihamidzic an: „Wir sind an einigen Sachen dran und werden versuchen, etwas zu machen.“ mb