Der EHC verbrennt sich am AEV die Finger

von Redaktion

Durch 2:3-Niederlage fällt Meister auf Platz vier zurück – Entscheidung in letzter Minute

VON GÜNTER KLEIN

Augsburg – Ein Spiel jeden zweiten, dritten Tag – wer beruflich mit Eishockey zu tun hat, befasst sich derzeit nicht mit dem Thema Weihnachten. Für den EHC München stand das vergangene Wochenende denn auch nicht unter dem Motto, dass es den dritten Advent brachte – vielmehr war es das Heiße-Gegner-Wochenende. „Köln und Augsburg sind die heißesten Teams der Liga“, hatte Münchens Trainer Don Jackson zum Programm gesagt.

Bilanz: Es reichte zu nur drei Punkten. Gegen die Haie ging am Freitag ein Sieg (5:2) leicht von der Hand, nach einem 0:3 verlorenen ersten Drittel war Köln (Trainer Peter Draisaitl_ „Eigentlich haben wir nicht viel falsch gemacht“) schon zu weit weg, um noch eine Chance zu haben. Doch am Sonntag in Augsburg verbrannte sich München am heißen Gegner die Finger: 2:3-Niederlage. Der EHC fiel auf Platz vier zurück..

München grollte mächtig am Ende: In der vorletzten Minute kassierte er drei Strafen (Mayenschein, Parkes, Bankstrafe), in der letzten schoss Augsburg das 3:2.

Die Panther hatten sieben Heimspiele am Stück gewonnen, vor einer Woche den EHC in der Tabelle überholt. Aus Mannheim (3:4-Niederlage) vom Freitagsspiel kehrten die Schwaben zwar ohne Punkte, aber mit guten Kritiken zurück. Am Sonntag dann motivierten sie sich mit einem Retro-Spieltag. Dazu gab es Trikots wie früher, der Stadionsprecher aus den 80er- und 90er-Jahren wurde reaktiviert, der „Powerbreak“ in jedem Drittel wurde „Reklame-Unterbrechung“ genannt, in der Kurve erklang der alte, eigentlich längst eingestellte (da stellenweise politisch unkorrekt) Mops-Gesang, das DEL-Logo auf der Anzeige war das erste bei Gründung der Profiliga, es wurde von Spöttern damals, 1994, als „Wappen des Segelclubs Delmenhorst“ bezeichnet. Dass der Vidoewürfel die ersten Spielminuten einen Uhr-Aussetzer hatte, war auch ein bisschen retro.

Kleine Stichelei des AEV in Richtung des Münchner Retortenclubs, dass er eine 120 Jahre längere Geschichte zu bieten hat. Diese Saison ist er auch sportlich gut dabei, das erste Drittel zeigte, was Augsburg an Qualitäten zu bieten hat: diszipliniertes Arbeiten in der Abwehr, hingebungsvoller Zentimeter-Kampf und ein paar gefährliche Stürmer. Mit einem 0:1 (Schmölz in Überzahl/12.) war der EHC München bei 5:13 Torschüssen aus seiner Sicht gut bedient nach dem ersten Drittel, in dem der Puck noch einige Male die Münchner Torlinie entlang hoppelte und Goalie Danny Aus den Birken Vollbeschäftigung hatte.

Als der EHC zu Beginn des zweiten Drittels aus einer Fünf-gegen-drei-Überzahl nichts machen konnte, war klar, dass ihm ein Tor der Kategorie „schmutzig“ helfen müsste. Das fiel zum 1:1 in der 31. Minute, wurde Trevor Parkes gutgeschrieben, war tatsächlich aber ein Augsburger Eigentor. Das 2:1 legten die Münchner vier Sekunden vor Ende des Drittels nach. Es war der erste DEL-Treffer von Yasin Ehliz für seinen neuen Verein.

Entschieden war es, obwohl sich das berühmte Momentum ein München-Trikot angezogen hatte, noch nicht. Matt Stajan, den 1000-NHL-Spiele-Mann des EHC, setzte es bei einem Torschussversuch unter dem Gejohle der Zuschauerschaft (6139/ausverkauft) auf den Hosenboden, der AEV fuhr weitere Angriffswellen und hatte in Überzahl (Strafzeit für Joslin) große Chancen. Beim nächsten Powerplay (Mitchell draußen) klappte es dann mit dem Ausgleich (Fraser/56.). Und beim übernächsten mit dem 3:2. Adam Payerl, 21 Sekunden vor dem Ende. Heiß, sehr heiß.

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