Dortmund – Die Spieler hüpften vor der bebenden Südtribüne auf und ab, die euphorisierten Fans sangen lauthals von der Meisterschaft: Doch Lucien Favre blieb sich nach dem Erreichen des ersten Etappenziels in der Bundesliga treu und ließ sich nicht locken. „Das bedeutet mir nicht viel“, sagte der Trainer von Dortmund emotionslos nach dem Gewinn der Herbstmeisterschaft. Über den Meistertitel „will ich noch nicht sprechen“.
Die Statistik spricht hingegen eine deutliche Sprache. Drei Mal sicherte sich der BVB zuvor schon den inoffiziellen Titel, drei Mal wurde er am Ende Meister. In 38 von 55 Fällen stand der Herbstmeister nach 34 Spieltagen auf Platz eins. Hans-Joachim Watzke schlug nach dem 2:1 gegen Werder Bremen aber ebenso wie Favre leise Töne an. „Die Fans“, so der Geschäftsführer im „ZDF“, „sollen träumen.“ Diese Euphorie trage den Club und die Mannschaft. Wichtig sei aber, „dass wir nicht träumen“.
Meisterträume kommen angesichts des Polsters von neun Punkten Vorsprung auf Mönchengladbach und den FC Bayern zwangsläufig. „Die Herbstmeisterschaft bedeutet uns nichts, aber der Vorsprung. Mit dem sind wir ganz zufrieden“, sagte Mittelfeldabräumer Thomas Delaney. Auch Watzke verspürt beim Blick auf die Tabelle „ein gutes Gefühl“. Man sei extrem ambitioniert, trompete aber nicht herum.
Das Selbstbewusstsein des auch nach 15 Saisonspielen immer noch ungeschlagenen Spitzenreiters wächst aber wöchentlich. „An der Körpersprache und dem Auftreten haben wir alle hart gearbeitet. Das entsteht natürlich auch durch die Erfolge der vergangenen Wochen, dadurch ist jetzt großes Selbstvertrauen entstanden“, sagte Sebastian Kehl, der Leiter der Lizenzspielerabteilung, nach dem sechsten Sieg in Serie.
Trotz schlampiger Chancenverwertung genügten den Westfalen am Ende die Treffer von Torjäger Paco Alcacer und Kapitän Marco Reus. Mit zwei weiteren Siegen morgen bei Aufsteiger Düsseldorf und zum Hinrundenabschluss am Freitag gegen Mönchengladbach würde der BVB sogar die 43 Punkte zur Halbzeit aus der Meistersaison 2010/11 um zwei Zähler übertreffen.
„Das ganze Rechnen hilft nichts“, wiegelte Watzke ab. Der Vorsprung sei „weder trügerisch noch komfortabel“, so der BVB-Boss, der sich sicher ist, dass es „irgendwann einen Einbruch gibt“. Die Mannschaft um die Anführer Reus und Axel Witsel wirkt aber gefestigt. Rückschläge wie der Anschlusstreffer durch Max Kruse werden schnell weggesteckt. Derzeit hat der BVB auf dem Platz für alle Probleme eine Lösung. „Alles passt im Moment“, sagte Torhüter Roman Bürki. Kehl betonte, man wisse, „dass wir noch ein bisschen zu gehen haben“. Das erste Ziel wurde aber in beeindruckender Manier erreicht. sid