München – Zumindest hinter vorgehaltener Hand hatte man sich beim FC Bayern ja schon so seine Gedanken gemacht. Kann so ein Bundesliga-Spitzenspiel gut gehen, gerade einmal 40 Stunden nach dem heißen Euroleague-Fight gegen Zalgiris Kaunas. Seit gestern weiß man: Es kann. Mit 83:81 (45:43) entschieden die Münchner auch einen heißen BBL-Gipfel gegen Alba Berlin für sich und setzten sich fürs Erste schon komfortable vier Punkte vom schärfsten nationalen Rivalen ab. Was Präsident Uli Hoeneß besonders erfreute: „Wir brauchen diese Punkte, weil wir harte Wochen in der Euroleague vor uns haben.“
Doch das erste Wiedersehen seit dem letztjährigen Finale hatte noch eine andere Botschaft: Zumindest in der Spitze ist der Doublesieger talentierter und besser aufgestellt. Spieler wie Stefan Jovic, Derrick Williams oder Vladimir Lucic hat der Vize nicht zu bieten.
Und doch hat Alba Berlin die Mittel, um den FC Bayern zumindest in Bedrängnis zu bringen. Das gestern sicherlich Auffälligste hatte viel mit mit einem Mann zu tun, der erst seit wenigen Tagen ein Berliner ist. Landry Nnoko nämlich, kamerunischer Center vom Typus Kleiderschrank (2,08 Meter/111 Kilo) verschaffte seinem Team eine in diesem Ausmaß nicht unbedingt erwartete Lufthoheit gegen die Bayern, bei denen Center Devin Booker derzeit ja wegen seiner Knöchelverletzung passen muss. 13 Rebounds griff alleine der Afrikaner ab, 20:10 lautete zur Pause das Kräfteverhältnis in dieser Kategorie zu Berliner Gunsten, am Ende stand ein 40:22. 18 zweite Wurfchancen mehr also – so etwas kann auch mal schiefgehen.
Vielleicht ja schon beim Wiedersehen im Pokalduell am kommenden Sonntag, Denn dann haben die Bayern noch die kniffligen Euroleague-Partien am Mittwoch in Mailand und am Freitag gegen Real Madrid in den Knochen. Was das bewirken kann, haben gestern die „Königlichen“ selbst erfahren, die in der spanischen Liga bei einem Club namens Cafes Candelas Breogan verloren.
Trainer Dejan Radonjic wirkt angesichts der Aussichten fast ratlos: „Die nächste Woche – boah, was soll ich sagen.“ Vor allem muss er wohl darauf hoffen, dass Derrick Williams die Werbung in eigener Sache für ein zukünftiges NBA-Engagement weiter so konsequent betreibt wie in den letzten Partien. Gegen Berlin nahm Williams vor allem nach dem Wechsel das Heft in die Hand. Wirbelte mal Berlins Anführer Luke Sikma unter dem Korb Knoten in die Beine, mal versenkte er ein spektakuläres Anspiel von Maodo Lo per Dunking und brachte den ausverkauften Audi Dome zum Kochen. 13 seiner 26 Punkte sammelte Williams alleine im dritten Viertel ein. Es hatte schon viel mit ihm zu tun, dass die Bayern einem souveränen Sieg entgegenzugehen schienen (69:57).
Doch Berlin kämpfte sich vor allem dank Dreier-Schütze Rokas Giedraitis (22 Punkte/5 Dreier) noch einmal heran und bescherte diesem Spitzenspiel ein echtes Herzschlagfinale. Doch am Ende machte der Finne Petteri Koponen von der Freiwurflinie den Sieg klar. Und verzückte seinen Präsidenten. „Die Mannschaft ist enorm zusammengewachsen – Kompliment“, sagte Hoeneß.