Der Deutschland-(Sech)zehner

von Redaktion

Einige der Eishockey-Silberhelden verpassten ihre große Ehrung um neun Minuten

VON GÜNTER KLEIN

München – Die „Mannschaft des Jahres“ hat für Verwirrung gesorgt. Wer von den deutschen Eishockey-Silbermedaillen-Gewinnern war denn nun wirklich bei der Proklamation der besten Sportler durch das ZDF im Kurhaus von Baden-Baden?

Auf der Bühne bei den Moderatoren Katrin Müller-Hohenstein und Rudi Cerne standen zehn Mann, ein anschließendes Gruppenbild vor der Sponsoren-Stellwand zeigte aber viel mehr Männer. Einige mit Hüten, andere ohne Kopfbedeckung.

Die Auflösung: Für die Mannheimer Fraktion (Dennis Endras, Matthias Plachta, David Wolf, Marcel Goc, Marcus Kink, Sinan Akdag) war es zeitlich kein Problem gewesen, am Abend in Baden-Baden zu sein – ihr Sonntagsspiel hatte bereits um 14 Uhr begonnen. Gleiches galt für die Nürnberger Leo Pföderl und Patrick Reimer, die mit ihren Ice Tigers am Nachmittag in Schwenningen gastiert hatten – auch in der Nähe. Der Kölner Moritz Müller ist derzeit verletzt, Christian Ehrhoff hat seine Spielerkarriere beendet, beide hatten ohnehin Zeit für den letzten großen Ehrungsaufritt im Olympia-Jahr. Die Eishockey-Nationalmannschaft hatte die Wahl bei den Teams gewonnen – vor den Eiskunstläufern Aljona Savchenko/Bruno Massot und dem Ruder-Achter, einem Dauergast bei der Sportler-Ehrung.

Der Terminplan der Deutschen Eishockey-Liga und die Tatsache, dass einige der Silber-Helden mittlerweile in Nordamerika spielen, ließ es nicht zu, dass sich ein vollzähliger Deutschland-Fünfundzwanziger präsentieren konnte – doch ein Sechzehner wäre möglich gewesen. Die Sechs, die auf der Bühne fehlten, aber danach bei der Feier im Saal waren, hatten die Zeremonie knapp verpasst – um neun Minuten. Danny Aus den Birken, Yannic Seidenberg, Daryl Boyle, Patrick Hager, Frank Mauer und Yasin Ehliz vom EHC München hatten bis 19 Uhr in Augsburg zu tun, vom dortigen kleinen Flughafen sollten sie zur Sportlerehrung geflogen werden. Jedoch: Schlechtes Wetter, keine Starterlaubnis. Also mit dem Auto zum Airport München. Der Flug von dort hatte aber eine halbe Stunde Verspätung – es reichte daher nicht.

Der Deutschland-Zehner, den das TV-Publikum zu sehen bekam, gab eine gute Figur ab. Einige wie der Anführer Christian Ehrhoff trugen Fliege, bei den Eishockeyspielern wirkte es wie ein ironisches Statement. Vor allem, als dann am Ende des Bühnenauftritts und einem Interview mit dem aus Los Angeles zugeschalteten Ex-Bundestrainer Marco Sturm auf den Köpfen auch noch je ein Pepitahut saß. Der Abschluss-Gag. Das karierte Altherren-Hütlein war das Markenzeichen von Xaver Unsinn gewesen, Trainer beim Olympia-Bronze von 1976. Marco Sturm hatte den Original-Hut des verstorbenen Unsinn aus dem in Kisten eingelagerten (da standortlosen) Deutschen Eishockeymuseum holen lassen, um damit intern immer den besten Akteur eines Spiels auszuzeichnen.

Den Pokal übergaben Erich Kühnhackl und Alois Schloder, zwei Große aus der Unsinn-Ära, man konnte spüren, wie sehr sie der Nachfolge-Generation den noch imposanteren Silber-Erfolg gönnten. Und es wurde bei den Video-Clips aus Pyeongchang deutlich, welch starkes Band Marco Sturm und die Spieler geknüpft hatten.

Wie es weitergehen wird mit dem Nationalteam, das ist die große Frage. Ehrhoff hat in Baden-Baden die Rolle des Sprechers eingenommen, er wird seine Eloquenz wohl als General Manager einbringen. In der Bundestrainerfrage scheint es auf Toni Söderholm, den Finnen vom SC Riessersee, hinauszulaufen, an dem es fachlich keine Zweifel gibt. Aber: Wird er die Spieler erreichen können, wie Sturm es getan hat? Es hieß immer: Die Jungs spielen für ihn.

Söderholm kennen bislang nur die Münchner aus einem Jahr als Mitspieler (15/16) und einem als Co-Trainer (16/17).

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