München – Luis Garcia und Laura Georges haben sich Zeit gelassen in der Zentrale der UEFA in Nyon, die Losfeen bei der Ziehung des Champions League-Auslosung sorgten – nicht bewusst natürlich – für eine ganz besondere Dramaturgie. Die Kugel mit dem FC Bayern blieb bis zum Schluss im Lostopf. Dass von den möglichen Gegnern Atletico Madrid schon früh gezogen wurde (trifft auf Juventus Turin), mag die Münchner nicht besonders traurig gestimmt haben. Schon eher, dass im AS Rom und in Olympique Lyon auch die vielleicht einfachsten Aufgaben zum Auftakt der K.o.-Runde bald aus den Töpfen gefischt wurden. Ehe die vorletzte Paarung gezogen wurde, war aufgrund des Modus bereits klar, dass nur noch eine Mannschaft als Gegner für den FC Bayern infrage kam: Der FC Liverpool mit Trainer Jürgen Klopp. „Das ist ein Brocken“, sagte Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic im vereinseigenen Fernsehsender, der die Engländer als „Mannschaft der Stunde“ bezeichnete. „Da muss man zwei gute Tage haben.“
Vermutlich gibt es deshalb nicht von allen Münchnern ein großes Dankeschön an die Losfeen – anders als im vergangenen Jahr an Xabi Alonso, der Besiktas Istanbul als Gegner gezogen hatte. Der ehemalige Mittelfeldspieler des FC Liverpool, Garcia, und die frühere französische Abwehrspielerin mit Kurzzeitengagement beim FC Bayern, Georges, erwischten für ihre jeweiligen Ex-Clubs sicher nicht das vermeintlich leichteste Los, aber auf jeden Fall ein sehr attraktives – auch dank der speziellen Note mit Klopp. „Es wird hart und interessant“, sagte der deutsche Trainer der „Reds“. Für ihn sei es schön, „nach Deutschland zurückzukehren. Das wird eine wirkliche nette Reise für unsere Fans.“ Zunächst aber empfangen die Engländer den FC Bayern zum Hinspiel am 19. Februar an der Anfield Road, das Rückspiel in München findet drei Wochen später am 13. März statt.
Für Klopp ist es das erste Aufeinandertreffen mit den Bayern in der Champions League seit dem verlorenen Finale als Trainer von Borussia Dortmund 2013 – und für seinen Club das erste in der Meisterklasse seit 1981. Anders als vor gut fünf Jahren im Londoner Wembley-Stadion ist Klopp dieses Mal mit dem derzeitigen Tabellenführer der Premier League Favorit.
Niko Kovac bezeichnet den diesjährigen Champions League-Finalisten als „das schwerste Los, das wir hätten bekommen können“. Der Bayern-Trainer gibt sich dennoch gewohnt selbstbewusst: „Wir sind der FC Bayern. Die Chancen stehen 50:50.“ Für ihn selbst ist der Vergleich mit Liverpool seine erste große internationale Bewährungsprobe als Vereinstrainer. Beim Audi Cup im vergangenen August gab es für ihn in einem seiner ersten Spiele als Bayern-Trainer eine 0:3-Niederlage gegen Klopps Mannschaft.
Während sich Arjen Robben vor einem seinem letzten Champions League-Achtelfinale auf „ein geiles Spiel“ freut, eine „überragende Stimmung“ erwartet und findet, dass die Partien „für jeden Spieler ein Traum“ seien, begann Kapitän Manuel Neuer bereits mit der Gegner-Analyse. „Sie können schnell kontern und sind torgefährlich. Sie sind aber auch verwundbar“, fand der Münchner Torhüter. Allerdings eher auswärts als daheim, An der Anfield Road hat der FC Liverpool mit Klopp als Trainer in internationalen Wettbewerben noch kein Spiel verloren.