Der FC Bayern gegen Liverpool, Dortmund gegen Tottenham, Schalke gegen Manchester City – englische Wochen im deutschen Fußball. Spannende Spiele, auf die sich die Fans freuen können – und auch eine Standortbestimmung für die Qualität in der Bundesliga.
Die erste geschnitzte Darstellung eines Fußballspiels befindet sich in der Nähe des mittelalterlichen Bristol, und das erste urkundlich erwähnte Paar Fußballschuhe trug einst Heinrich VIII. – ja, der König mit den acht Ehefrauen. 1526 soll er, so heißt es, die Schuhe für seine Garderobe geordert haben. Der Fußball wurde in England geboren, das ist weltweites Allgemeingut, er hat sich dort entwickelt, fiel dann aber auch in ein tiefes, tiefes Loch. Inzwischen wurde er neugeboren. Neben der Primera Division in Spanien ist die Premier League heute wieder das härteste, was man zu knacken hat.
Der deutsche Fußball hat keine Geschichte, die bis auf mittelalterliche Holzschnitzerein zurückzuführen ist – so richtig modern kam die heimische Bundesliga zuletzt aber auch keineswegs daher. Im Gegenteil. 2013 standen sich noch die Bayern und Dortmund im ehrwürdigen Wembley gegenüber, um den Titel der Champions League unter sich auszumachen. Die Briten sahen wie der Rest der Welt zu und staunten. Doch von der deutschen Herrlichkeit blieb nicht viel übrig. In der aktuellen Verfassung stehen die Chancen bei Dortmund gegen Tottenham 50:50, bei Schalke gegen ManCity schlägt das Pendel klar zugunsten von Pep Guardiolas Team aus, und die Bayern können gegen Liverpool sicherlich kaum ihr Mia-san-mia-Mantra aufrechterhalten, gegen jeden Gegner als Favorit auf den Platz zu gehen.
Wer sich für Details interessiert, wird auch an den unterschiedlichen Philosophien in diesen drei deutsch-britischen Vergleichen seinen Gefallen haben. Auf der englischen Seite stehen Liverpool und Manchester City erst einmal für den neuen Reichtum auf der Insel, allerdings ist ihre Spielanlage grundverschieden (Umschalt-/Ballbesitzfußball). Tottenham sorgte für Schlagzeilen, weil der Club auf Schlagzeilen-produzierende Millionentransfers verzichtete – ein Unikat in der Elite-Szene. Und wofür stehen die drei deutschen Clubs? Gute Frage. Auch darauf werden die englischen Wochen Antworten bringen.
andreas.werner@ovb.net