Mit 50 reif für die Bühne

von Redaktion

An Mario Basler schieden sich immer die Geister – doch er ballert weiter, nun als Erzähler

VON ANDREAS WERNER

München – Mario Basler hatte schon immer seine ganz eigene Sicht auf die Dinge. Das Finale der Champions League 1999 in Barcelona haben die Bayern seiner Meinung nach zum Beispiel am Ende doch noch irgendwie gewonnen, findet er. Zwar erhielt Manchester United nach einem historischen 2:1-Schlussspurt damals bekanntlich den Pokal, doch bei der Feier danach standen einige Münchner um 5 Uhr früh noch tanzend auf dem Tisch, und in den Morgenstunden gesellten sich sogar ein paar Fans der Briten dazu, weil die eigenen Spieler schon in den Federn lagen. Das Finale des Tages geht damit an die Bayern, Punktsieg quasi durch K.o. – so sieht es zumindest Mario Basler.

Er hat damals das Spiel seiner Karriere hingelegt, und da werden ihm sogar Kritiker Recht geben. Nach fünf Minuten schnibbelte er einen Freistoß frech an der Mauer vorbei, am Ende fehlten ihm drei Minuten zur Unsterblichkeit. Er war schon ausgewechselt, als die Briten zuschlugen. Es passt aber wohl auch zur gesamten Karriere, dass sie unvollendet blieb. Mario Basler war immer einer für die große Bühne – doch wie er sein Talent verschleuderte, musste er am Ende als tragische Figur in die Annalen eingehen.

Heute wird der ehemalige Bayern-Spieler 50, und inzwischen ist er endgültig reif für die Bühne. Wer seine freche Schnauze mag, schätzt ihn seit jeher als Gast bei diversen Talkshows. Seit Neuestem tourt er nun mit einem eigenen Programm durch Deutschland. „Basler ballert“ lautet das Motto. Als ihn der „Sportinformationsdienst“ fragte, ob er nun ein Comedian sei, verneinte er. „Ich bin nur ein Erzähler. Es sind Geschichten, die ich hautnah erlebt habe, da ist nichts Erfundenes dabei.“ Die meisten davon hat er selbst geschrieben – allerdings weniger als Trainer, denn in Regensburg, Trier, Burghausen, Oberhausen und zuletzt in der fünften Liga bei Rot-Weiss Frankfurt blieben die Erfolge aus.

An Basler schieden sich immer die Geister, nicht zuletzt in München, wo er von 1996 bis 1999 kickte und die Führungscrew verzweifeln ließ. Mehr als einmal zitierte ihn Uli Hoeneß, damals Manager, ins Büro, weil er Anrufe erhalten hatte, der Offensivmann sei mal wieder außerhalb des Platzes steil gegangen. Er kam „immer ganz gut raus aus der Nummer“, sagt er, „ich habe ja auch immer ehrlich zugegeben, wenn ich gefragt wurde“. Er schätzte stets die offene Streitkultur, die Hoeneß propagiert: Man konnte sich herrlich fetzen, „aber danach blieb nie etwas hängen. So muss es sein.“

Bis heute lässt sich der Jubilar nicht verbiegen. Dass es je wieder einen wie ihn gibt, bezweifelt er: „Die Kinder kommen heute mit 11 ins Leistungszentrum, dann wird ihnen die Individualität ausgetrieben.“ Die Zeit der K.o.-Siege am Tresen ist vorbei. Ein bisschen schade ist es schon.

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