Sogar der Trainer tanzt

von Redaktion

Die Alpenvolleys Haching profilieren sich beim hochklassigen 3:2 gegen Friedrichshafen als Titelanwärter

Unterhaching – Es gab einige Szenen, die jede auf ihre Art, einen Aspekt dieses grandiosen Volleyballspiels zwischen den Hypo Tirol Alpenvolleys Haching und dem VfB Friedrichshafen veranschaulichten. Wie Danilo Gelinski, Zuspieler des Kooperationsprojekts aus Unterhaching und Innsbruck, gegen Ende des zweiten Satzes bei einem vergeblichen Abwehrversuch mit dem Kopf in die LED-Werbebande rauschte, aber trotzdem gleich weiterspielte, symbolisierte den erbitterten Kampf beider Mannschaften um jeden Ball. Dass VfB-Coach Vital Heynen sich gar nicht mehr beruhigen wollte, als der Schiedsrichter den folgenden Aufschlag seines Teams im Aus sah, offenbarte die Nervenanspannung beim Favoriten vom Bodensee.

Doch die bezeichnendste Aktion war wohl das kleine angedeutete Tänzchen von Stefan Chrtiansky nach dem vollbrachten 3:2-Sieg. Der Alpenvolleys-Trainer ist ja eher ein zurückhaltender Vertreter seiner Zunft. Doch dieser Erfolg war dazu geschaffen, um ihm wenigstens einen lockeren Hüftschwung zu entlocken. Wobei: Locker war der Slowake nach eigenem Bekunden schon während des Spiels gegen den Rekordmeister gewesen: „Heute war ich entspannter als sonst. Ich wollte einfach, dass wir super spielen und das haben wir gemacht.“

Und weil dies genauso für die Gäste galt, entwickelte sich ein Spitzenspiel, das beste Volleyball-Werbung bot. Nicht nur sportlich, mit irrwitzigen Ballwechseln, sondern auch in dramaturgischer Hinsicht, wobei deutlich wurde, mit welch breiter Brust die Alpenvolleys als weiterhin ungeschlagener Tabellenführer mittlerweile selbst schwierigste Aufgaben, wie eben gegen die Häfler, angehen. Sie ließen sich weder von den unglücklich abgegebenen Durchgängen zwei und drei (30:32, 24:26) erschüttern, noch von dem verspielten 13:8-Vorsprung und dem folgenden Matchball des VfB zum 14:15 im Tie Break.

Mit den letzten drei Punkten brachten sie den Erfolg unter Dach und Fach sowie die Verantwortlichen ins Schwärmen: „Natürlich hatten wir ein bisschen Glück bei Friedrichshafens Matchball. Aber die Jungs sind nach den beiden knapp verlorenen Sätzen fokussiert geblieben“, lobte Chrtiansky.

Auch Alpenvolleys-Manager Hannes Kronthaler zeigte sich „beeindruckt, wie wir im vierten Satz zurückgekommen sind. Die Mannschaft hat momentan das Selbstvertrauen, sie lässt sich von einem Rückstand nicht aus der Fassung bringen. Wir waren cool und abgeklärt, was vielleicht ein bisschen leichter ist, wenn man nicht Favorit ist.“ Doch gilt das überhaupt noch? Nach den Siegen über Meister Berlin und den VfB können die Alpenvolleys kaum noch abstreiten, dass sie ein ernsthafter Titelkandidat sind. Chrtiansky bekennt sich immerhin zur Rolle des Mitfavoriten: „Es ist alles offen.“

Wie der Coach begründet, dass er vor dem Hinspiel des CEV-Cup-Achtelfinale bei Club-Weltmeister Trentino Volley (Donnerstag), in dem sein Team krasser Außenseiter ist, über freiwillige Rotation nachdenkt, spricht indes noch deutlicher für die gestiegenen Bundesliga-Ansprüche: „Höchste Priorität hat die Meisterschaft.“

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