Augsburg/München – Wer ein Derby, in dem er geführt hat, noch verliert, 21 Sekunden vor Schluss, und sich dabei ungerecht behandelt fühlt, der geht nicht einfach gesenkten Hauptes aus dem Eisstadion. Die Akteure des EHC München waren nach der 2:3-Niederlage bei den Augsburger Panthern entsprechend aufgebracht. Das Schlussbild, das sie boten: Trainer Don Jackson auf dem Eis bei den Schiedsrichtern Markus Schütz (Bad Aibling) und Daniel Stricker (Schweiz), auch EHC-Manager Christian Winkler, eben noch ein paar Stockwerke höher auf der Pressetribüne positioniert, eilte dazu.
Hinterher, als alle ein bisschen runter gekommen waren, sprachen die Protagonisten distanziert über den Vorfall. Man habe nur regeltechnische Fragen gehabt, den eigenen Wissensstand mit dem der Schiedsrichter abgleichen wollen. „Ich wollte eine Klarstellung“, sagte Jackson, „aber ich kann mich da auch irren.“
Es ging um die 59. Minute. Zunächst bekam Jakob Mayenschein zwei Strafminuten wegen Crosschecks – bedeutete 4:5-Unterzahl. Damit nicht genug: Trevor Parkes winkte von der Spielerbank aus mit einem Handtuch – und erhielt zwei Minuten wegen Unsportlichkeit, überdies wurde eine Bankstrafe für München nachgelegt. Der EHC in der Schlussphase beim Stand von 2:2 dadurch zwei Mann weniger. Augsburg schoss das 3:2. Don Jackson: „Es war viel Emotion im Spiel. Zu viel.“
Mit seiner Körpersprache ist Jackson am Sonntag schon weit gegangen. Mit Gestik lässt sich ausdrücken, was man lieber nicht in Worte fassen will. Weil es kosten kann. Die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) hat es gar zum Gesetz erhoben: Kritik an den Schiedsrichtern ist ein Tabu. Wer es bricht, bezahlt. Ab 500 Euro. Je nach Einkommen und Vorgeschichte. Die Skala reicht bis zu 50 000 Euro – für den Fall, dass der Gesellschafter eines Vereins Offizielle der Liga angiftet.
Geldstrafen werden aber selten ausgesprochen. „Die meisten unserer Trainer sind Schotten“, meint einer aus dem DEL-Führungszirkel vielsagend. Vor allem die Nordamerikaner würden den Griff in ihr Portemonnaie fürchten.
Don Jackson hat diese Saison einmal die Unparteiischen kritisiert – wobei, er sagt, das sei keine Kritik gewesen. Nach der Heimniederlage gegen Bremerhaven vorvier Wochen bezog er sich auf eine Situation, die die Schiedsrichter fehlerhaft entschieden hätten. Da brachten die Münchner die Scheibe ins Tor, doch zuvor war abgepfiffen worden, weil die Schiris glaubten, der Puck wäre nicht mehr frei. War er aber doch. „Ich sage, was ich sehe. Ich spreche nicht über die Schiedsrichter“, so Jackson, für den es die Schlüsselszene des Spiels war. Strittige Szenen will er nicht mehr kommentieren. Möge sich jeder sein eigenes Urteil bilden.