Mourinhos Entlassung

Der entzauberte Exzentriker

von Redaktion

AUTOR IN VERSALIEN F5 az

Jose Mourinho hat aus seiner Selbstgefälligkeit noch nie einen Hehl gemacht. Zur weltweiter Berühmtheit brachte es seine Selbsteinschätzung: „I am a special one.“ Ich bin etwas Besonderes.

Der Satz wurde zur Marke für den extrovertierten Portugiesen. Wobei sich Mourinho das Eigenlob zumindest insofern leisten konnte, als er tatsächlich ganz besonders erfolgreich war. Den FC Porto und Inter Mailand machte der Coach zum Champions-League-Sieger, holte mit den Weltclubs Real Madrid und FC Chelsea diverse Titel.

Besonders ausgeprägt war auch stets seine Extrovertiertheit. Wobei er sich damit nicht allzu viele Freunde machte. Mourinho legte sich mit jedem an, der ihm gerade auf die leicht reizbaren Nerven ging. Trainerkollegen, Schiedsrichter, Spieler, Funktionäre. Es setzte Sperren, Geldstrafen. Durchaus bezeichnend war seine spektakuläre Entgleisung, die er sich im spanischen Clasico 2011 leistete. Nach der 2:3-Niederlage seines Real-Teams war er, offenbar von finsterer Rachsucht beseelt, dem damaligen Co-Trainer des FC Barcelona, Tito Vilanova, gefolgt und bohrte ihm den Finger ins Auge. Nein, ein strahlender Sympathieträger ist Mourinho nie gewesen.

Aber auch wenn die großen Triumphe rarer wurden, schien sein Ruf als Magier der Fußball-Branche lange Zeit einigermaßen unversehrt geblieben zu sein. So holte ihn 2016 mit Manchester United ein weiterer Edel-Club und zahlte ein Jahresgehalt von 20 Millionen Euro. Mourinho stieg damit zum Bestverdiener der Trainer-Zunft auf. Ein weiterer Karrierehöhepunkt. Doch in den zurückliegenden zweieinhalb Jahren vollzog sich Mourinhos Entzauberung. Obwohl mit namhaftem Personal bestückt, blieb ManU weit hinter den Erwartungen. In dieser Saison beträgt der Rückstand auf Tabellenführer FC Liverpool bereits 19 Punkte. Einmal mehr legte es Mourinho zudem auf eine ruppige Kontroverse an. Seinen Star Paul Pogba setzte er nach Zwistigkeiten auf die Bank, in der Kabine soll er den französischen Weltmeister als „Virus“ bezeichnet haben.

Nicht ganz überraschend wurde Mourinho nun kurz vor Weihnachten gefeuert. Der Zeitpunkt mag nicht ganz der feinen englischen Art entsprechen. Aber es fällt schwer, den Exzentriker Mourinho groß zu bedauern.

Armin.Gibis@ovb.net

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