München – Als Uli Hoeneß zuletzt öffentlich auftrat, schlug er Töne an, die man in alle Richtungen deuten konnte. Die jüngste Kritik an seiner Person, speziell bei der Jahreshauptversammlung, habe ihn „schockiert“, gestand er. Den Beitrag des Bayern-Mitglieds Johannes Bachmayr wertete er als „Versuch, meinen tadellosen Ruf als Manager, Vorstand und Präsident zu beschädigen“. Es waren irritierende Zitate, die da die Runde machten. Denn in Wahrheit hatte Bachmayr die Lebensleistung von Hoeneß zu keinem Zeitpunkt in Zweifel gezogen. Seine Kritik bezog sich ausschließlich (und ausdrücklich) auf das Auftreten des Präsidenten in der jüngeren Vergangenheit.
Die Zukunft des FC Bayern und die Rolle, die die langjährigen Gestalter Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge darin spielen werden, ist nicht nur wegen jenes stürmischen Abends Gegenstand zahlreicher Spekulationen gewesen. Seit gestern zeichnet sie sich ein bisschen klarer ab. Da vermeldete der Rekordmeister, dass Hoeneß auch in Zukunft dem Aufsichtsrat der FC Bayern München AG vorstehen werde. Für vier Jahre wurde das Gremium in seiner neuen Zusammensetzung bestätigt (für den früheren VW-Boss Martin Winterkorn rückt der aktuelle VW-Vorstandsvorsitzende Herbert Diess nach). Vier Jahre, das klingt nicht nach einem zügigen Abschied von den Hebeln der Macht.
Offiziell ist das noch keine Absichtserklärung, wie es in der Frage der Präsidentschaft weiter geht, aber es ist ein klares Indiz. Der Präsident des Clubs steht gleichzeitig auch dem Aufsichtsrat vor, das eine Engagement bringt das andere mit sich. Seine Ankündigung, „in aller Ruhe die nächsten Wochen und Monate (zu) beobachten, wie sich das alles entwickelt“ und dann zu entscheiden, „was ich will und was nicht“. scheint weitgehend umgesetzt. Es waren eher Wochen als Monate, die er für die Entscheidungsfindung benötigte.
Als Trainer Niko Kovac gestern Nachmittag auf die Personalie Hoeneß angesprochen wurde, fand er ausnahmslos bewundernde Worte für ihn: „Er ist der FC Bayern. Uli Hoeneß ist immer ein Kämpfer gewesen. Jetzt in der Situation braucht der Klub ihn genau so wie in der Vergangenheit. Welche Liebe er in sich trägt für den Verein, zeigt, dass er in so einer Situation vier Jahre weitermachen will“, sagte der Coach. Von irgendwelchen Einschränkungen bei der Dauer des Engagements sagte er nichts. mb