München – Mike Stewart, Trainer der derzeit sehr erfolgreichen Augsburger Panther, hat zwei Staatsbürgerschaften, die kanadische und die österreichische. Man hört diesen Mix heraus, wenn er über die anstehenden Tage in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) spricht: „Dös is a brutale Phasen.“ Am Sonntag schlug sein Team in einer hochemotionalen Auseinandersetzung den EHC München 3:2, kann sich darüber aber nicht mal, wie sonst üblich, bis zum nächsten Freitag freuen, denn gestern brach es schon wieder auf: „Reise in den Norden“, sagt Stewart. Mittwoch Berlin, Freitag Wolfsburg.
Auch München ist heute schon wieder im Einsatz, bei den Iserlohn Roosters. Der EHC ist in der Tabelle auf Platz vier abgeglitten, sieben Punkte hinter Mannheim, was Trainer Don Jackson aber nicht besorgt. In den vergangenen drei Jahren habe man die Liga auch nicht permanent von Platz eins aus dirigiert, „oft sind wir erst an den letzten Spieltagen nach ganz oben gekommen“. Man sei im Plan. Und die sieben Punkte? Mannheim sei „just a few wins away“ – nur einige Siege entfernt.
Es tut den Münchnern gut, dass sich in der „brutalen Phase“ der Kader füllt. Seit Freitag (5:2 gegen Köln) sind Michael Wolf und Patrick Hager wieder dabei. Nach langen Verletzungspausen. Man merkte sie ihnen aber nicht an. Hager brachte wie gewohnt das Element Emotion ins Spiel, und Wolf war sofort wieder schnell und wendig und torgefährlich mit seinen Direktabnahmen.
„Es war die schwerste Verletzung seiner Karriere“, sagt Don Jackson. Wolf nickt: „Ja, war es.“ Mehr darf er nicht sagen, der EHC München gibt keine Details bekannt, führt nur die Kategorien Ober- und Unterkörperverletzung. Bei Wolf ging man schon weiter und gab eine „Beinverletzung“ bekannt. Es war allerdings auch nicht zu übersehen, dass der Kapitän des EHC zeitweise an Krücken unterwegs war und einen Vakuumschuh trug. „Sieben Wochen lang.“ In dieser Zeit konnte er nicht Auto fahren, Training war nur für den Oberkörper möglich. Als der Fuß dann endlich freigelegt war, begann Wolf mit Radfahren.
„Das Problem ist“, erklärt er, „dass die Kraft schwindet. Doch konditionell bin ich gut aufgestellt.“ Er bestritt gleich das übliche Pensum, war in beiden Wochenendpartien je 20 Mal auf dem Eis, spielte Über- und Unterzahl. Wolf-untypisch war beim Comeback gegen Köln lediglich, dass er zweimal auf die Strafbank musste. Da fehlte es noch am Timing, und Wolf war es peinlich, dass er auf Kölner Seite seinen langjährigen Nationalmannschafts-Kollegen Felix Schütz umrumpelte, der kurzzeitig zur Behandlung in die Kabine musste – aber zurückkam. „Ich bin froh, dass er sich nicht verletzt hat.“
Was für Wolf während seiner Absenz am schlimmsten war: zuhause am Fernseher den 5:5-Krimi in Malmö in der Champions League anschauen zu müssen. „Die vorne, wir vorne, dann wieder die.“ Er brachte zuvor die Kinder ins Bett, um Eishockey-konzentriert sein zu können.
Jetzt mischt er selber wieder mit. Heute (19.30 Uhr) in Iserlohn, was für Michael Wolf ein besonderes Spiel ist, weil er neun Jahre bei den Roosters war. Ausgefallen ist er dort kaum. Und findet, wenn man mit 37 sagen könne, dass die längste Fehlzeit neun Wochen betrug, „dass man dann schon fit gewesen sein und vieles richtig gemacht haben muss“.