München – Braydon Hobbs schaute dann doch ziemlich verdutzt drein. Für einen kurzen Moment hatte der Arm seines Trainers Dejan Radonjic während des Bundesliga-Gipfels der Basketballer des FC Bayern in seine Richtung gewiesen. Doch die Hoffnung war nur von kurzer Dauer. Das Signal galt nicht ihm und auch nicht dem neben ihm platzierten Nationalspieler Robin Amaize. Beide erlebten das heiße Spitzenspiel aus der Perspektive, aus der er den Großteil der bisherigen Saison erlebt hatte: von der Bank.
Heute in Mailand (20.45 Uhr wird sich das vielleicht noch nicht ändern. Hobbs ist Magenkrank, gestern war er zeitweise deshalb sogar im Krankenhaus. Aber die Bayern haben ja noch reichlich weitere Aufgaben vor sich. Zwei Tage später das Duell mit Real Madrid im Audi Dome. Am Sonntag reist zum Pokal-Viertelfinale erneut Alba Berlin an. Zumindest Präsident Uli Hoeneß ist sich sicher: „Spieler wie Hobbs werden jetzt sicher mehr spielen.“
Bis jetzt hatte sein Trainer dafür vor allem in der Euroleague wenig Notwendigkeit gesehen. In den Partien wie zuletzt gegen Khimki Moskau oder Zalgiris Kaunas schufteten sich die etablierten Kräfte wie Stefan Jovic, Vladimir Lucic oder Derrick Williams an die halbe Stunde Einsatzzeit heran. Der NBA-gestählte Williams läuft in dieser Rechnung bei den Bayern zwar ein bisschen unter dem Radar. „Der ist so heiß aufs Spielen“, sagte Geschäftsführer Marko Pesic, „Derrick läuft in einer eigenen Kategorie.“ Doch gerade Jovic und Dauerabeiter Lucic zeigten am Sonntag gegen Berlin schon deutliche Ermüdungserscheinungen.
Gute Argumente eigentlich gerade für Hobbs. Doch Trainer Dejan Radonjic hatte schon seit seinem Amtsantritt im vergangenen April nicht gerade als Fan des immer freundlichen US-Kreativgeists geoutet. Der Grund ist in den Defensivauftritten des 29-Jährigen zu suchen. „Er hat Probleme, Gegner vor sich zu halten“, hatte Radonjc einmal gesagt.
Das Erstaunliche ist: Auch mit Mini-Einsatzzeiten – in der Euroleague durfte sich Hobbs in sechs der zwölf Spiele im Schnitt für überschaubare sechs Minuten ran, – war auf ihn Verlass. Wenn der Mann aus dem Bundesstaat Indiana aufs Feld kam, dann lieferte er auch. Versenkte einen Dreier, glänzte mit überraschenden Zuspielen. Respektable 2,5 Punkte und einen Assist hat er in den sechs Kurzauftritten in der Königsklasse zu Buche stehen´.
Hobbs selbst findet das nicht ungewöhnlich. „Du kannst nicht mehr tun als hart arbeiten und bereit sein, wenn der Trainer es von dir verlangt“, sagte er, „das versuche ich zu tun.“
Wer weiß, vielleicht hilft es ihm ja, dass er ihm Klub einen mächtigen Fürsprecher hat. Uli Hoeneß nämlich hat sich immer wieder zum Hobbs-Fan bekannt: „Er ist einer meiner Lieblingsspieler .“ Immerhin das.