Wenig überzeugend

von Redaktion

Lenggrieserin schafft als Fünfte von Gröden ihr bestes Weltcup-Ergebnis und fährt zur WM

VON ELISAETH SCHLAMMERL

Gröden/München – Deutsche Überraschungen auf der Saslong sind keine Seltenheit. Allerdings waren dafür bislang allein die Männer verantwortlich. Nun gaben die Frauen ihre Weltcup-Premiere unter dem Langkofel – auch dieses Ergebnis kann sich aus deutscher Sicht sehen lassen und das, obwohl Viktoria Rebensburg auf die Abfahrt verzichtete, um sich auf den heutigen Super-G zu konzentrieren.

Als Michaela Wenig gestern abschwang, „habe ich es gar nicht glauben können“. Die „Fünf“ leuchtete auf – und die Besten waren schon im Ziel, auch die Starnbergerin Kira Weidle, die mit dem achten Platz ihre gute Form des Winters bestätigte. „Man muss schon schauen, wo wir herkommen. Wir waren nirgends“, sagte Cheftrainer Jürgen Graller.

Jahrelang hat der Deutsche Skiverband vergeblich versucht, bei den Frauen eine schlagkräftige Abfahrtsmannschaft aufzubauen, die aus mehr als einer Weltklasseläuferin bestand. „Manche Dinge brauchen einfach, bis sie sich entwickeln“, sagte Michaele Wenig.

Auf sie trifft dies besonders zu. Die Lenggrieserin gab 2012 ihr Debüt in der Elite, drei Jahre später holte sie ihre ersten Weltcup-Punkte, aber dann ging es nicht richtig weiter. Ihr bestes Ergebnis bis gestern war ein 17. Platz im vergangenen Winter in Lake Louise. Wenig wurde trotz der Stagnation weiter gefördert, weil es zum einen lange keine Alternativen gab,und sie zum anderen mit ihrer „unkomplizierten Art“, wie Alpinchef Wolfgang Maier findet, gut für die Stimmung im kleinen Team sei. „Vielleicht zahlt es sich jetzt aus, dass wir so lange an einer Läuferin festgehalten haben“, sagte er.

Im Training hatte Wenig immer wieder mal geglänzt, aber im Rennen dann die Leistung nicht wiederholen können. Als es auch in Gröden bei den Übungsfahrten sehr gut lief, konzentrierte sie sich darauf, die alten Fehler zu vermeiden. „Ich habe mir gedacht, das ist eine neue Chance“, sagte sie im Bayerischen Fernsehen und stellte hinterher fest: „Es lohnt sich einfach, dass man immer weiterkämpft.“ Die nach den Männerrennen am Wochenende entschärfte Strecke war ganz nach dem Geschmack der Gleitspezialistin, die am Ende nur 0,89 Sekunden langsamer als Siegerin Ilka Stuhec aus Slowenien war. Dass sie nun mit 26 Jahren endlich den erhofften Schritt nach vorne macht und auch sicher sein darf, zur WM in Are zu fahren, wenn sie gesund bleibt, findet sie „cool“.

Kira Weidle ist vier Jahre jünger, aber schon viel weiter als die Mannschaftskollegin. In Gröden haderte sie mit der Startnummer vier. „Es ist schon auffällig, dass die ersten Nummern hier runter immer einen leichten Nachteil haben, da ist es immer noch schattig“, sagte sie. „Aber ich glaube, ich habe das Beste daraus gemacht.“ Die Ansprüche nach dem guten Saisonstart steigen eben, auch bei ihr selbst. Ähnlich ergeht es Wenig, die nun findet: „Wir sind soweit, dass wir sagen können, wir können wirklich regelmäßig vorne reinfahren.

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