Wer Mitglied im Deutschen Fußball-Bund ist – und das sind fast sieben Millionen –, spielt nicht zwangsläufig Fußball. Mitglied in einem Verein und somit DFB wird man halt auch, wenn man hofft, beim FC Bayern oder einem anderen Bundesligisten so leichter an eine Dauerkarte zu kommen. Im Schwimmen sind die Verhältnisse andere: In einen Schwimmclub tritt man ein, weil man schwimmt. Es ist ein Aktiven- und kein Zuschauersport.
Deswegen sind 600 000 Mitglieder im Deutschen Schwimm-Verband eine Wucht. Deutschland ist ein Schwimmer-Land. Immer noch, obwohl Olympische Spiele zweimal medaillenlos verliefen und es momentan an den Namen fehlt, mit denen man Erfolge verband: von Peter Nocke über Michael Groß, Franziska van Almsick, Antje Buschschulte und Mark Warnecke bis hin zu Britta Steffen und Paul Biedermann. Wenn ein Schwimmer was reißt, hat er sofort gute Chancen, in Deutschland Sportler des Jahres zu werden.
Seit jenem skurrilen Verbandstag vor zwei Wochen, an dem eine eigentlich schon festgezurrte Beitragserhöhung von 60 Cent pro Jahr und Mitglied von den Landesfürsten torpediert wurde und in der Folge die fähige Präsidentin, ihre Vertreterin und auch noch der Bundestrainer (der zuvor alle Angriffe überstanden hatte) zurücktraten, muss aber gefragt werden, ob die olympische Kernsportart in Deutschland nicht ihre Zukunft verspielt. Und da ein „Quo vadis?“ (Wohin gehst du?) ein Stilbruch wäre, gehört es so formuliert: Quo natas? Wohin schwimmst du, Deutschland?
Es geht um die Finanzierung der Saison 2019. Ein Jahr vor Abschluss des olympischen Zyklus ziehen die großen Nationen traditionell alle an: Amerikaner, Australier, die mittlerweile ebenfalls zu beachtenden Südafrikaner, Niederländer, Chinesen, Japaner, Briten. Dann gelten die Achtungserfolge von 2017 und 18 oder die Medaillen von Kurzbahn-Events nichts mehr.
Es gibt in Deutschland gewiss Schwimmer, die bereit sind, sich dem gleichen brutalen Drill zu unterziehen wie die Konkurrenz – aber die Voraussetzungen muss der Verband schaffen. Jedes Trainingslager extra würde benötigt, gerade im vorolympischen Jahr. Dass es an Kleckerlesbeträgen scheitert und die Power von 600 000 Mitgliedern und an der Sache Interessierten ungenutzt bleibt, ist nicht zu fassen.
Schwimmen ist ein Sport für die ganze Welt. Da sollte eine Industrienation Wege finden, sich zu positionieren.
Guenter.Klein@ovb.net