Der erste Titel ist weg

von Redaktion

In einem heißen Pokalkampf müssen sich müde Bayern Alba Berlin mit 70:78 geschlagen geben

VON PATRICK REICHELT

München – Wenigstens ein bisschen Weihnachten musste sein am Tag vor dem Fest. So hatte man im Audi Dome wenigstens das Kampfgericht kollektiv mit Nikolaus-Mützen ausgestattet. Auf dem Feld freilich war von festlicher Atmosphäre nicht viel zu sehen. Die Basketballer vom FC Bayern und Alba Berlin lieferten sich einen heißen Pokalkampf.

Mit einem für die Münchner allerdings wenig weihnachtlichem Ende. 70:78 (40:41) verloren sie das Viertelfinale. Weg ist er also, der erste Titel. Der mächtig heisere Präsident Uli Hoeneß indes fand es verzeihlich. „Berlin hat das super gemacht“, krächzte er, „aber die Mannschaft ist einfach müde. Es wäre ein Wunder gewesen, wenn sie das auch noch gewonnen hätte.“

In der Tat konnte man sich ja schon fragen: Was soll noch im Tank sein nach einer Münchner Basketball-Woche, die doch schon alles hatte – bis hin zum hinreißenden Euroleague-Fight am Freitag gegen Europas Nummer eins Real Madrid. Doch das zweite Treffen der beiden besten deutschen Basketball-Teams stand den Highlights dieser Woche kaum nach.

Beide Seiten drückten von Beginn an aufs Tempo, beide Teams kämpften um jeden Zentimeter. Wobei man vor allem auf Münchner Seite schon merkte, dass die Flut an Topspielen in den letzten Tagen auch Spuren hinterlassen hatte. Stefan Jovic etwa quälte sich merklich übers Feld. Der serbische Spielmacher-Genius verwarf Freiwürfe, verlegte Bälle, passte zum Gegner – Schnitzer, die vor zwei Wochen noch undenkbar waren. Warum Trainer Dejan Radonjic den zurückgekehrten US-Guard Braydon Hobbs trotzdem weitgehend außen vor ließ – es wird sein Geheimnis bleiben. Als Hobbs kurz vor der Pause doch mal ran durfte, tat er das, was er bei seinen Kurzeinsätzen meistens tut: Er versenkte einen Dreier.

Wer konnte sonst helfen? Petteri Koponen konnte. Der Finne deutete vor allem in Halbzeit eins an, warum er als einer der besten Distanzschützen Europas gilt. Drei Versuche, drei Treffer – mit 13 Punkten hielt er die Münchner Hoffnungen auf die Titelverteidigung ziemlich maßgeblich am Leben.

Doch Berlin waren die ´Münchner Strapazen der letzten Tage natürlich nicht entgangen. Alba kam noch physischer, noch zupackender aus der Kabine zurück. Und das zeigte dann doch Wirkung, auf bis zu sechs Punkte (61:55) zogen die Hauptstädter um Stefan Peno (13 Punkte) zwischenzeitlich davon.

Aber es ist das Erstaunliche dieser Tage, dass die Bayern in Bedrängnis zu bemerkenswerten Kraftakten in der Lage sind. Im Schlussviertel ließ man hinten in den ersten vier Minuten gerade einmal einen Berliner Punkt zu. Vorne zeigte Williams, dass er sich auch aus heftiger Umklammerung zu befreien weiß. So dass beide Teams im Gleichschritt in die Schlussminuten gingen. Bis Jovic eine Minute vor der Schlusssirene einen freien Wurf auf den Ring setzte – im Gegenzug machte der Neu-Berliner Landry Nnoko mit einem krachenden Dunking aus zwei Punkten Vorsprung deren vier (74:70). Und das war ein Schlag, von dem sich die Bayern nicht mehr erholten.

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