Effizient ins neue Jahr

von Redaktion

Für den FC Bayern ist die Meisterschaft noch nicht entschieden

VON FRANK HELLMANN

Frankfurt – Die unmittelbare Nähe der Frankfurter Arena zum Flughafen ist von Vorteil, wer es kurz vor Weihnachten besonders eilig hat, um die Lieben in der Heimat zu besuchen. Beim FC Bayern sind nach dem 3:0-Auswärtserfolg bei Eintracht Frankfurt persönliche Rekorde im Duschen und Umziehen aufgestellt worden. Speziell der spanisch-südamerikanischen Fraktion mit Javi Martinez, Thiago oder Rafinha konnte es gar nicht schnell genug gehen, um noch am Samstagabend vor Schließung des Luftraumes über der Mainmetropole in die Winterferien zu fliegen.

Auch Niko Kovac hatte wenig Zeit. Die Pressekonferenz fiel kurzerhand aus, dafür sprach der Trainer in der Mixed Zone über die Genugtuung, die ihm dieser „völlig verdiente Sieg“ an ehemaliger Wirkungsstätte einbrachte: „Das Positionsspiel, das wir in der zweiten Halbzeit aufgezogen haben, ist das, was der FC Bayern kann und zeigen muss. Deshalb ganz großes Kompliment an die Jungs und an Franck.“ Gemeint war Ribery. Der französische Club-Heilige, der sich trotz seiner 35 Jahre nicht so schnell aufs Altenteil schieben lassen will, unterstrich mit einem Doppelschlag (35. und 79.) seine Extraklasse.

Auch der Torschütze des 3:0 (89.), Rafinha, hat die 30 längst überschritten. Die Bayern zwingen ihren Kontrahenten in der Vorweihnachtszeit wieder ihren alten Effizienzstil auf. Sie hatten die am Ende entkräftete und personell noch mehr gebeutelte Eintracht wie eine Weihnachtsgans schmoren lassen, um sie dann mit ihrer individuellen Qualität zu filetieren. „3:0 hier zu gewinnen, ist das richtige Zeichen zur richtigen Zeit“. sagte Thomas Müller: „Unsere Aufgabe ist, den Druck stets hochzuhalten.“ Auch Karl-Heinz Rummenigge hatte ein „wichtiges Ausrufezeichen“ gesehen. „Der Fußball, den wir spielen, ist wieder Bayern-like!“

Für den Vorstandschef verdichtete sich mit dem fünften Bundesligasieg in Serie – das vierte Mal zu Null – die Erkenntnis, dass Trainer und Spieler nach der herbstlichen Sinnkrise zusammengefunden haben: „Niko und die Mannschaft sind wieder eine Einheit.“ Oder wie Kovac konstatierte: „Mittendrin hatte wir kleine Dellen. Anfang und Ende waren gut.“

Nun soll nach einer wankelmütigen Hinrunde, in der es „zu viel bergauf und bergab ging“ (Niklas Süle), eine konstante Rückrunde folgen. Der Trainer findet die veränderte Ausgangslage für den Meisterschaftskampf nicht so schlimm: „Die letzten sechs Jahre waren eintönig. Vielleicht brauchen wir das mal, dass wir von hinten schieben, dass wir den Druck erhöhen.“ Und Kovac verstieg sich sogar zur Aussage, dass am 18. Mai 2019 doch wieder die üblichen Verdächtigen die Schale stemmen: „Davon gehen wir in München alle aus.“

Nichtsdestotrotz fühlte sich der 47-Jährige in Frankfurt „sehr urlaubsreif“. Die Rückschläge und Vorwürfe gegen seine Person und Position haben ihm mehr zugesetzt, als sich der gebürtige Berliner hat anmerken lassen. Im letzten Pflichtspiel des Jahres wollte Kovac an der Seitenlinie deshalb vor allem Haltung bewahren.

Das gelang ihm bis auf eine Ausnahme ganz gut: nach gut einer halben Stunde glitt er auf einem durchnässten Werbebanner beim Versuch aus, einen Ball zu stoppen. Das hessische Publikum lachte höhnisch. Es sollte freilich der einzige Ausrutscher bleiben, den sich der FC Bayern bei seinem ansonsten versöhnlichen Jahresausklang im Frankfurter Stadtwald leistete.

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