Madonna di Campiglio – Weihnachten, sagte Felix Neureuther nach seinem versöhnlichen Jahresabschluss mit der Rückkehr in die Weltspitze, werde er „ganz in Ruhe zu Hause mit der Familie“ verbringen. Seine Ehefrau Miriam und Töchterchen Matilda sollten sich jedoch nicht auf allzu viele besinnliche Tage einstellen: Neureuther hat nach Platz acht beim Flutlicht-Slalom in Madonna di Campiglio am Samstag Blut geleckt.
Sein bestes Rennen seit dem Kreuzbandriss vor 13 Monaten war zwar „ein ganz großer Schritt in die richtige Richtung“, sagte Neureuther. Und deshalb werde er auch „extrem happy“ unterm Christbaum sitzen. Aber: Neureuther hat auch gesehen, dass für ihn trotz all der Widrigkeiten der vergangenen Wochen und Monaten schon wieder viel mehr möglich ist.
Deshalb will der 34-Jährige die Tage bis Neujahr für „ein paar wirklich gute Trainings“ nutzen, im Slalommonat Januar richtig Gas geben und dann schauen, „dass es zur WM passt“. Die Titelkämpfe in Are finden im Februar statt. Die Gewissheit, dass er beim Saisonhöhepunkt wieder ganz oben angreifen kann, nahm er aus Italien mit nach Garmisch-Partenkirchen. Und das, sagte er, stimme ihn „sehr positiv“.
Während sich Dominator Marcel Hirscher (Österreich) und dessen norwegischer Dauerrivale Henrik Kristoffersen mit frühen Einfädlern seltene Patzer erlaubten, kämpfte sich Neureuther im Finale zehn Ränge nach vorne. Wäre da nicht dieser eine „blöde Fehler“ im zweiten Lauf gewesen, „es hätte eine wahnsinnig gute Platzierung für mich rausspringen können“, meinte Neureuther – also ein Podestplatz.
Letztlich verpasste Neureuther das Stockerl um 0,76 Sekunden, sein Rückstand auf Überraschungssieger Daniel Yule (Schweiz) betrug 1,26 Sekunden. Das reichte im erst dritten Rennen seit seinem Comeback gleich fürs WM–Ticket. „Das ist ein kleiner Erfolg für ihn“, sagte Alpinchef Wolfgang Maier.
Weil er in den letzten fünf Wochen nur drei Slalomtage gehabt habe, müsse man Platz acht „relativieren“, betonte Neureuther. Ein Daumenbruch machte ihm ebenso zu schaffen wie eine Gehirnerschütterung. „Man sieht, dass er noch ein bisschen arbeiten muss, um Rennstabilität zu bekommen“, sagte Maier. „Aber ich bin hundertprozentig überzeugt, dass er auf einem sehr guten Weg ist und wieder zu der Form zurückkommen kann, die er vor seiner Verletzung hatte.“
Das Rezept dafür kennt Neureuther – und es verspricht eine unruhige Weihnachtspause. „Ich muss jetzt trainieren, trainieren, trainieren“, sagte er. Spätestens am 27. Dezember wird er wieder auf Skiern stehen. sid