Es ist nicht schön, wenn ein Fußball-Trainer seinen Job los wird, erst recht, wenn das einen Tag vor Heiligabend passiert. Das dürfte auch Heiko Herrlich so sehen. Aber vermutlich hat er trotzdem ein entspanntes Weihnachtsfest. Existenzsorgen muss er sich ja sowieso keine machen – und jetzt auch nicht mehr versuchen, skurrile Aussagen von Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler zu interpretieren.
Die Entlassung Herrlichs war keine Weihnachtsüberraschung, sondern von etwas längerer Hand geplant. Und das nicht einmal im Verborgenen. Der Name des Nachfolgers, Peter Bosz, kursierte bereits ein paar Tage lang. Obwohl sich Bayer im Hinrunden-Endspurt noch an die Europa-League-Plätze herangepirscht hat, ist die Entscheidung nachvollziehbar, nicht aber der Stil. Herrlich hätte gegen Hertha wohl mit sechs Toren Unterschied gewinnen können und hätte trotzdem gehen müssen.
Die Ruhe, die ein paar Tage im Bundesliga-Fußall herrscht, ist nicht überall himmlisch. In Dortmund natürlich schon, auch bei den Bayern, die unter dem Weihnachtsbaum frohgemut das Vereinsliedchen über die „forever Number one“, die ewige Nummer eins, trällern, obwohl sie im Januar nur als Nummer zwei in die Rückrunde starten. Aber nach ein paar Toren von Franck Ribery und vier Spielen in Serie ohne Gegentreffer gehen sie in München schon wieder davon aus, dass Meister doch nur der FC Bayern werden kann.
Auf Schalke suchen sie derweil nach einem Stürmer, der gerade 34 Tore geschossen hat, umsonst zu haben ist und es zudem als größtes Glück empfindet, den kriselnden Revierclub raus aus der Abstiegsregion, wenn möglich sogar noch rauf Richtung internationale Plätze, schießen zu dürfen. Okay, Manager Christian Heidel sieht ein, dass dieser Wunsch unerfüllbar ist. Die am Tabellenende überwinternden Teams aus Stuttgart, Hannover und Nürnberg geben sich da etwas bescheidener. Sie wären wohl schon glücklich, wenn unterm Weihnachtsbaum eine kleine Anleitung zum Verhindern zu vieler Gegentore liegen würde. Fürs Erste jedenfalls.
Elisabeth.Schlammerl@ovb.net