Spielt Ehliz gut – oder schlecht?

von Redaktion

Der Neuzugang des EHC München hat noch keine feste Sturmreihe gefunden

VON GÜNTER KLEIN

München – Nicht alles glückt dem Deutschen Eishockey-Meister EHC München derzeit. Zum Beispiel der Tweet aus der Social Media-Abteilung, mit der der Treffer von Mark Voakes zum 1:0 in Ingolstadt gefeiert wurde. „JAAA! Voakes schnappt sich die Kugel, lässt seinen Gegenspieler aussteigen und trifft trocken zur Führung ins Eck!“ Die Kugel? Der Ball? Kein Puck, keine Scheibe? Falsche Sportart. Es gab dafür etwas Häme im Netz (und nicht in dem, in welchem die Kugel einschlug).

Verkraftbar. Wichtig waren die Punkte: drei durch den 4:2-Sieg im oberbayerischen Derby in Ingolstadt. Die Wiedergutmachung dafür, dass am Tag vor Heiligabend eine uninspirierte Vorstellung zur dritten Niederlage gegen die Fischtown Pinguins aus Bremerhaven geführt hatte. Der EHC ringt um eine stabile Form ohne Ergebnis-Rückschläge, um in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) vielleicht doch noch Platz eins anstreben zu können.

Die Form fehlt auch Yasin Ehliz noch – oder? Dem Überraschungs-Neuzugang unter der Saison. Seit der Deutschland-Cup-Pause (Anfang November) gehört Ehliz zum EHC-Team, er hatte seinen NHL-Versuch in Calgary abgebrochen.

Die Zahlen sagen: So richtig angekommen ist der 26-Jährige aus Bad Tölz noch nicht. In 15 DEL-Spielen für München hat der Außenstürmer zwei Tore erzielt und zwei vorbereitet. Vier Scorerpunkte also. Das liegt im Schnitt weit unter dem, was er in Nürnberg leistete. Etwa 2014/15: 56 Partien, 52 Punkte. 2015/16: 34 Punkte, auf 47 Partien verteilt. 2016/17: 64 Matches, 60 Mal gepunktet. Und 2017/18: 58 Spiele, 37 Scorerpunkte.

Seine beiden Tore für München waren auch nichts Berühmtes: Bei einem fälschte er den von einem Kollegen geschossenen Puck noch ab, das zweite war ein Abstauber. Doch Trainer Don Jackson misst Ehliz nicht an diesem Ertrag: „Wir hatten das mit Jason Jaffray. Der hat in seinen ersten zehn Spielen für uns zehn Tore geschossen – und danach die andere Seite kennengelernt.“ Stürmerschicksal. Ehliz fange halt mit der Durststrecke an, was die Scorerbilanz betrifft. Jackson schätzt andere Vorzüge bei Ehliz: Die Arbeit in den Ecken, die Schnelligkeit, die Energie. Er gewährt ihm Eiszeit: knapp 16 Minuten und 20 Wechsel pro Spiel. Ehliz ist bei Über- und Unterzahl dabei.

Dennoch tut sich Jackson schwer, eine Reihe zu finden, in die Ehliz passt wie über sechs Jahre in Nürnberg zu Steve Reinprecht und Patrick Reimer. Der Trainer schiebt seinen Neuzugang hin und her, nach einigen Partien mit Trevor Parkes und John Mitchell, neben denen sich Ehliz wohlfühlte („Mitchi verteilt die Scheiben, Parkes ist ein guter Spieler, ich bringe Geschwindigkeit ein“), musste er in Ingolstadt seinen Platz an NHL-Haudegen Matt Stajan abgeben und in die dritte Reihe zu Frank Mauer und Maxi Kastner.

Womöglich bekommt er schon wieder andere Nebenleute heute (19.30 Uhr) im Heimspiel gegen Berlin oder am Sonntag (17 Uhr in Wolfsburg)? Und dann steht schon das nächste besondere Spiel für Yasin Ehliz an: kommenden Mittwoch gegen seinen Ex-Club Nürnberg. Die erste Begegnung mit den Ice Tigers nach seiner Rückkehr aus Nordamerika und dem Wechsel nach München war „ein schweres Spiel für mich“, sagt er im Rückblick auf die Fan-Aversionen, die ihm entgegenschlugen, „doch damit ist die Sache abgehakt“.

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