Klopps Erfolgsgeschichte

Wo der Trainer Manager ist

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Gut drei Jahre sind es nun her, dass Jürgen Klopp in England landete. Wobei schon die Anreise und die Ankunft ein Ereignis waren. Bis zu 35 000 Menschen verfolgten damals, im Oktober 2015, auf dem Internetportal „Flightview“, wie die Maschine mit dem deutschen Fußball-Lehrer sich der Destination Liverpool näherte. 35 000 starren auf einen sich kaum wahrnehmbar bewegenden Punkt auf einem Bildschirm – Sky, der Bundesligasender, wäre bei manchen seiner Bundesligaspiele froh, wenn sie im Einzelabruf auf solche Zahlen kommen würden.

Jürgen Klopp war seinerzeit, wie wir uns erinnern, im deutschen Fußball ein wenig entzaubert. Er hatte mit Dortmund den Absturz zwar vermieden, aber es war offensichtlich, dass er sich verbraucht hatte. Er verlor dann auch noch das DFB-Pokalfinale. Gegen Wolfsburg. Gegen Dieter Hecking. Man rechnete mit einem Klopp-Sabbatjahr – bis Liverpool rief.

Den messianischen Empfang hat „Kloppo“ in den ersten beiden Jahren nicht rechtfertigen können, auf der Insel wurde Kritik vernehmbar, seine „Reds“ kamen nicht ran an die Noch-mehr-Geld-Clubs aus London und Manchester. In ähnlicher Konstellation in der Bundesliga wären ambitionierter Verein und Trainer wohl auseinandergegangen.

England hat eine andere Kultur – und das kam Jürgen Klopp zugute. Der Trainer ist dort der Manager, er hat weiter reichende Kompetenzen, man begegnet ihm mit Achtung. Man lässt ihn machen. Gelegentlich gerät eine Regentschaft zu lange (wie die des verdienstvollen Arsene Wenger beim FC Arsenal oder von Jose Mourinho bei Manchester United, wo es viel früher hätte krachen müssen) – doch Klopp wurde der Aufbau eines Teams ermöglicht, das wieder ein Titelkandidat ist.

Liverpool und Klopp haben die Hinrunde in der Premier League als einziges Team ungeschlagen überstanden. 19 Spiele, eine gewaltige Leistung – in England herrscht in der Spitze viel mehr Konkurrenz als in jeder anderen europäischen Liga. Nebenbei wurde auch noch eine knifflige Situation in der Champions League überstanden.

Die Situation ist natürlich auch gefährlich, weil jedes Team irgendwann in der Saison eine Krise nehmen muss, die von Liverpool aber noch nicht war, aber die wahrhaft wichtigen Spiele noch ausstehen.

Doch womöglich setzt Jürgen Klopp sich auch über diese Gesetzmäßigkeit hinweg. Wenn wir die Bilder von seinen Jubelposen beim 4:0 über Newcastle sehen: Da deutet sich kein Nachlassen an, kein Verschleiß. Der Mann strahlt Lust an seinem Tun aus – beneidenswert.

Er und Liverpool, das passt und wird noch lange so gehen. Der nächste Vereinswechsel Klopps ist für „Flightview“ zu weit weg, um hohe Zugriffszahlen zu erzielen. Doch ein Rückflug des Champions-League-Siegers am 2. Juni aus Madrid würde wohl auch genommen.

Guenter.Klein@ovb.net

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