London – Um die Anerkennung seiner Mitmenschen musste Michael van Gerwen seit jeher kämpfen. In der Schule wurde der Niederländer gemobbt, weil er dick war. Also ließ er die Fäuste sprechen, um sich auf dem Pausenhof Respekt zu verschaffen. Diese Zeiten sind vorbei, heute weiß der Darts-Dominator durch sportlichen Erfolg zu überzeugen. Zum Liebling der Massen wurde er damit trotzdem nicht – auch nicht nach dem Gewinn seines dritten WM-Titels.
„Die Sid-Waddell-Trophy ist die wichtigste Trophäe des Jahres. Jeder weiß, dass sie mir die Welt bedeutet“, sagte van Gerwen mit Tränen in den Augen nach seinem 7:3 gegen den Engländer Michael Smith im WM-Finale: „Dreimaliger Weltmeister – was will man mehr?“ Nur Phil Taylor war es zuvor gelungen, bei der Professional Darts Corporation (PDC) mindestens drei WM-Titel zu sammeln. Doch immer noch steht „Mighty Mike“, der seit über fünf Jahren an der Spitze der Weltrangliste thront, im Schatten des Rekordweltmeisters (14 PDC-Titel). Während die Fans weltweit die Legende Taylor auch ein Jahr nach deren Rücktritt noch vom „Taylor Wonderland“ grölend vergöttern, spürt van Gerwen immer wieder Gegenwind aus dem Publikum.
So auch im WM-Endspiel gegen den nervösen Final-Debütanten Smith. Jedes gewonnene Leg, jede gute Aufnahme des Außenseiters feierten die bierseligen Fans frenetisch – die Würfe des Branchen-Primus begleiteten sie immer wieder mit Buhrufen. „Wen interessiert’s?“, hatte der gelernte Fliesenleger van Gerwen schon vor dem Spiel gesagt: „Manchmal macht es mich auch stärker, wenn das Publikum gegen mich ist.“
Doch ab und an trifft es ihn auch. Etwa als ihm ein Fan vor seinem Auftaktspiel Bier ins Gesicht schüttete und van Gerwen nach einem raschen Kleidungswechsel mit Tränen in den Augen zurückkehrte. Oder bei der Halbfinale-Niederlage im Vorjahr gegen den späteren Weltmeister Rob Cross, als ihn die Buhrufe im „Ally Pally“ aus dem Konzept brachten.
Diesmal nicht. Souverän und unangefochten wie zuvor nur Taylor zu seinen Glanzzeiten stürmte der 29-Jährige zu seinem dritten WM-Titel nach 2014 und 2017, lediglich acht Sätze gab er im gesamten Turnier ab. „Das sind immer noch zu viele“, scherzte er, gab aber auch wieder Einblick in sein übergroßes Selbstbewusstsein – mit dem er gerne mal über das Ziel hinausschießt. So konnte er sich auch nach dem Finale einen kleinen Arroganz-Anfall nicht verkneifen. „Ich glaube, keiner kommt im Moment an mich ran. Ich habe keinem die Chance gegeben, mich zu schlagen“, tönte er. sid