München – Wer bei der Vierschanzentournee genau hinschaut in diesen Tagen, der kann die Zeichen der neuen Zeit schon sehen. Zumindest einige Springer haben jenes rote Döschen schon auf ihren Ski montiert. Überschaubare zehn Gramm ist die Sache schwer. Doch sie enthält eine Technologie, die das Skispringen noch durchschaubarer machen soll.
Das Geheimnis liegt in einem Chip im Inneren, der den Auftritt eines Springers vom Anlauf bis zum Aufsprung durchleuchtet. Einen kleinen Vorgeschmack haben die Zuschauer bei den Springen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen schon bekommen. Neben den Geschwindigkeiten in verschiedenen Flugphasen hat die neue Technologie den Fernsehsendern auch Informationen geliefert, in welchem Winkel das Bein des Springers beim Absprung gebeugt ist.
Und das ist nur ein Bruchteil dessen, was das elektronische Wunderwerk kann. Mit dem umfangreichen Datenpaket, dessen ist sich Walter Hofer, Renndirektor des Weltverbandes FIS, sicher, lässt sich „das Geheimnis eines guten oder schlechten Sprunges lüften“.
Bislang ist die Sache noch lückenhaft. Die FIS hat den Dienstleister, der die Technologie entwickelt hat, zu den Springen zugelassen Doch noch ist die Teilnahme an dem Programm ausschließlich freiwillig. Rund die Hälfte ist an Bord. Verbände, die mitmachen, bekommen die Döschen – bislang ist der Service kostenlos. Am Ende gibt es eine Datensammlung, die den Trainern Aufschlüsse über die Performance ihrer Springer liefert. Allerdings gibt es den Zugriff nur für das eigene Team. „Leider“, sagt Norwegens Coach Alexander Stöckl augenzwinkernd, Denn mit den Informationen könnte sich durchaus auch ein aktueller Überflieger wie der Japaner Ryoyu Kobayashi entschlüsseln lassen. Dessen Daten würde Stöckl gerne einsehen – am liebsten aber ohne die Vergleichswerte der eigenen Athleten preisgeben zu müssen. Wobei: „Das Geheimnis zu kennen, heißt nicht, dass du es dann auch umsetzen kannst“, sagt Stöckl.
Der technische Aufwand, der dahinter steht, ist durchaus enorm. Der Betreiber installiert an den Schanzen jeweils 15 Antennen, die mit den Chips korrespondieren. Eine Computeranlage sorgt für den Rest. Der Sportwissenschaftler, der das System betreut, muss nicht mehr tun, als den Chip vor dem Start per Funk zu aktivieren. Die Messpräzision ist immens – bis auf zwei Zentimeter genau kann die Anlage einen Athleten auf dem Weg ins Tal verfolgen.
Theoretisch könnte der Chip in den Stadien als eine Art Abfallprodukt sogar die Weitenmessung übernehmen. Nicht zuletzt bei den Organisatoren in Partenkirchen setzt man schon mal leise Hoffnungen in diese Option. Denn die bislang an den Weltcup-Standorten angewandte Video-Weitenmessung ist vergleichsweise teuer.
Der Deutsche Skiverband (DSV) ist in der Sache übrigens schon ein Stückchen weiter. Das Team von Trainer Werner Schuster arbeitet bereits seit vergangenem Jahr zu Trainingszwecken mit einer eigenen elektronischen Datenerfassung.