Bundestrainer Werrner Schuster wusste schon, was er tun musste, um das Abschneiden seiner deutschen Skispringer in der ersten Hälfte dieser 67. Vierschanzentournee ins richtige Licht zu rücken. „Schauen Sie doch mal in gewisse Nachbarländer“, sagte der Österreicher, „da haben sie ganz andere Probleme.“
Sicher, man ist einmal mehr in Stellung im Kampf um den Tourneesieg. Was im Vorjahr Richard Freitag war, ist nun Markus Eisenbichler. 1,27 Meter Rückstand nach vier Sprüngen lassen erahnen – wenn der japanische Dominator Ryoyu Kobayashi in diesem Turnier einen Gegner hat, dann ist es Eisenbichler. Und auch der Blick nach hinten, macht sicherlich Mut. In Oberstdorf wie in Garmisch-Partenkirchen schafften 12 der 13 deutschen Starter den Sprung in den Wettbewerb. Die Botschaft: So breit wie das deutsche ist derzeit wohl kein Team im Weltcup aufgestellt. Schöne Perspektiven.
Doch ein Spitzenverband wie der deutsche wird halt an Spitzenergebnissen und nicht an Perspektiven gemessen. Und da mischt sich auch einige Ernüchterung in die Zwischenbilanz. Zumindest fünf potenzielle Podiumsanwärter hat das deutsche Team in seinen Reihen. Doch letztlich ist bisher abgesehen von Eisenbichler nur Stephan Leyhe als Tournee-Siebter den – auch selbst gesteckten – Erwartungen gerecht geworden. Engelberg-Sieger Karl Geiger mag man den Rückfall ins gehobene Mittelmaß (12./19.) verzeihen. Der Oberstdorfer hat (noch) nicht die Erfahrung, praktisch im Zwei-Tages-Rythmus Höchstleistung zeigen zu müssen.
Ein dickes Rätsel aber geben die beiden Springer auf, die im vergangenen Winter das Niveau im Weltcup noch maßgeblich mitbestimmt hatten. Richard Freitag spekulierte vor Jahresfrist noch mit dem Tourneesieg – jetzt nimmt er als Gesamt-16. schlappe 36,7 Meter Rückstand auf die Spitze nach Innsbruck mit. Und kann über das Warum nur Rätseln („Es trägt mich im Moment nicht.“). Andreas Wellinger dagegen, der jugendliche Himmelsstürmer, bewies, dass es noch schlimmer gehen kann und krachte gleich zweimal nach nur einem Sprung aus dem Wettbewerb.
Ob ihm wohl der Blick über die Grenze hilft? Daniel Huber, Österreichs Bester, geht das Heimspiel in Innsbruck als Tournee-Zehnter an. Doch das ist bestenfalls ein schwacher Trost.
patrick.reichelt@ovb.net