Österreich lockt Werner Schuster

von Redaktion

Umworbener Bundestrainer – „Am Finanziellen wird es nicht scheitern“

VON KLAUS-ECKART JOST

Innsbruck – Geht er? Geht er nicht? Diese Frage schwebt seit Beginn dieser Saison über dem deutschen Skisprung-Team. Gemeint ist Werner Schuster. Dessen Vertrag als Cheftrainer läuft Ende März aus. Noch hat sich der 49 Jahre alte Österreicher nicht öffentlich zu seiner Zukunft geäußert. „Wir sind in Gesprächen, die sind von Wertschätzung geprägt“, sagte der Coach vor der Vierschanzentournee.

Ähnlich äußert sich auch Horst Hüttel. Der Sportliche Leiter Skisprung beim Deutschen Skiverband (DSV) sagt: „Einen Plan B gibt es nicht, wir wollen ihn weiter an uns binden. Wenn, dann wäre unser Bestreben, bis Olympia 2022 in Peking zu verlängern.“ Doch vor dem dritten Springen der Vierschanzentournee kommt ein Plan C ins Spiel. „Kehrt Schuster nach Tirol zurück?“, titelt die „Tiroler Tageszeitung“ auf Seite 1. „Natürlich ist es eine Überlegung, ihn einzubauen – sonst würden wir nicht mit offenen Augen durchs Leben laufen“, sagte Mario Stecher, der nordische Direktor im Österreichischen Skiverband (ÖSV). Zudem betonte er: „Wenn man jemanden wie Schuster haben kann, wird es nicht am Finanziellen scheitern.“

Allerdings soll auf keinen Fall Cheftrainer Andreas Felder, seit Frühjahr 2018 im Amt, abgelöst werden. Für Schuster würde eine ganz neue Position als Skisprunglehrer geschaffen. Grundsätzlich könnte er sich einen Abschied vom Cheftrainer-Posten vorstellen. Aber nicht, weil ihm die Arbeit keinen Spaß machen würde. Vielmehr berichtete er nach den Springen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen voller Stolz. „Wir hatten zweimal zwölf Springer im Feld der 50. Wir sind zurzeit wahrscheinlich die am breitesten aufgestellte Nation der Welt.“ Und Markus Eisenbichler liegt als Zweiter der Tourneewertung knapp hinter Spitzenreiter Ryoyu Kobayashi. Dies verleiht dem Bundestrainer eine ausgeprägte Entspanntheit.

Was Schuster schwanken lässt, ist seine private Situation. Während er mit seinem Team etwa 200 Tage im Jahr unterwegs ist, bleiben seine Frau Annika und die beiden Söhne Jannik und Jonas Zuhause in Mieming. „Der Zwölfjährige schaltet den Fernseher ein und sagt: ,Mein Vater ist halt im Winter im Fernsehen.’ Der kennt gar nichts anderes, das sind große Belastungen“, erzählte der Tiroler.

Mittlerweile ist Schuster im elften Jahr Bundestrainer der deutschen Skispringer. Davor war er ein Jahr in Schweizer Diensten. Begonnen hat der Sportlehrer und Psychologe am Skigymnasium Stams. Einer seiner damaligen Schüler war Gregor Schlierenzauer. Der Rekord-Weltcupsieger (53 Erfolge) betonte stets, dass er seine Karriere auch der Arbeit seines damaligen Nachwuchstrainers zu verdanken habe.

Inzwischen befinden sich jedoch die rot-weiß-roten Super-Adler, die zwischen 2009 und 2015 siebenmal den Gewinner der Vierschanzentournee stellten, im Tief. Auch weil man sich in der einstigen Skisprung-Großmacht zu wenig um den Nachwuchs gekümmert hat. Da soll Schuster nun den Hebel ansetzen. So wie er dies im März 2008 in Deutschland getan hat. Auch da klaffte nach der Hannawald-Schmitt-Ära ein großes Loch.

Wer könnte auf Werner Schuster folgen? Als erstes wird stets sein Landsmann Stefan Horngacher genannt. Der betreut seit drei Jahren die Polen, hat mit Kamil Stoch den Tournee-Sieger der vergangenen beiden Ausgaben gecoacht. Auch sein Vertrag läuft am Saisonende aus. Und der 49-Jährige lebt in Hinterzarten im Schwarzwald. Ein weiterer Kandidat wäre auch Andreas Mitter, Ex-Cheftrainer der Finnen.

Der Deutsche Skiverband (DSV) reagierte derweil gelassen. „Es ist klar, dass sich die Österreicher damit beschäftigen, wie sie sich verändern können. Aber es gibt Gespräche zwischen Werner Schuster und dem DSV. Während der Tournee beschäftigen wir uns nicht damit. Ich denke, dass sich das bis zur WM Ende Februar entscheidet“, sagte Pressesprecher Ralph Eder.

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