Innsbruck – Werner Schuster hatte es auf dem Trainerturm plötzlich ganz eilig. Schwungvoll wedelte der Bundestrainer der deutschen Skispringer mit seiner Fahne. Stephan Leyhe wollte sich da nicht lange bitten lassen – der Willinger stürzte sich in den Anlauf und hinauf auf den Luftstrom, den Schuster hatte kommen sehen. Und als er aufsetzte im Schnee von Innsbruck, da merkte Leyhe schnell, dass ihm Spezielles gelungen war.
Am Ende störte es ihn noch nicht einmal, dass er mit seinem 127,5-Meter-Flug sogar sein erstes Tournee-Podium um überschaubare zwei Meter verpasst hatte. „Das hat einfach Laune gemacht“, schwärmte der Mann, der am Samstag seinen 27. Geburtstag feiert.
Trainer Werner Schuster muss es ähnlich gesehen haben. Der Österreicher freute sich beim Blick auf die Gesamtwertung, die Leyhe nun auf Platz fünf aufweist: „Mit dem Markus Eisenbichler und Stephan Leyhe haben wir die beiden Richtigen vorne drin“, sagte er. Jene beiden Athleten eben, denen die Anlage in Bischofshofen in diesen Tagen am besten liegen sollte.
Gerade Leyhe hatte man in diesem Zusammenhang in den letzten Jahren selten auf der Rechnung. Der Mann ist zwar so etwas wie die personifizierte Zuverlässigkeit im deutschen Lager. Doch hinter Vorfliegern wie Richard Freitag oder Andreas Wellinger flog er meist eher unter dem Radar. Das hat sich nun verändert. Bei der Tournee und im Gesamt-Weltcup ist er nun Fünfter. Auf welches Level der nette Sauerländer sein Niveau gehoben hat, kann man besonders gut an den Ergebnissen bei diesem Turnier ablesen. 13., 7., 4. – das ist eine Reihe, die Leyhe auch selbst gerne weiter denkt. „Ich freue mich jetzt sehr auf die letzte Station“, sagte er, „ich muss nur weiter meine Sprünge zeigen, dann wird es schon klappen.“ Vielleicht sogar mit dem Tournee-Podium. Das ist derzeit noch rund zehn Meter entfernt. Aber vielleicht kann Werner Schuster ja mit seiner Fahne wieder helfen. rp