Am späten Freitagnachmittag hat Michael Scharold, der Geschäftsführer des TSV 1860, einen kleinen Text an die Münchner Journalisten verschickt, der so beginnt: „Die Berichterstattung zu Adriano Grimaldi überrascht mich sehr.“ Das muss man schnell erklären: Am Freitagmorgen hatte die „Abendzeitung“ berichtet, dass Grimaldi, der Löwen-Stürmer, unzufrieden sei, den Verein nach einem halben Jahr sogar schon wieder verlassen wolle. Am Freitagmittag erklärte Günther Gorenzel, der Sportliche Leiter der Löwen, den Journalisten dann, dass er aus sicherer Quelle wisse, dass der KFC Uerdingen, ein finanzstarker Drittliga-Rivale, seit Oktober an Grimaldi interessiert sei. Er sagte auch: „Aus sportlicher Sicht wird es keinen Verkauf geben“ – wenn, dann nur aus wirtschaftlichen Gründen. Und danach erzählte Gorenzel noch, dass man im Fall Grimaldi, obwohl es ja noch gar kein Angebot oder nicht mal eine Anfrage gibt, intern bereits eine Größenordnung festgelegt habe.
Am Freitagabend musste man sich daher fragen: Warum überrascht den Geschäftsführer eines Profivereins die Berichterstattung zu einem Spieler, für den sich der Club schon eine akzeptable Ablösesumme überlegt hat?
Am ersten Trainingstag des Jahres ist an der Grünwalder Straße 114 schon wieder jene Unruhe ausgebrochen, die die Protagonisten des TSV 1860 doch eigentlich hinter sich lassen wollten. Es steht ihnen natürlich zu, sich über Berichterstattung zu ärgern, manchmal sicher auch zurecht. Doch die Aufregung im Fall Grimaldi zeigt, was sich in den vergangenen Wochen angedeutet hat: die Verantwortlichen reagieren gerade dünnhäutig. Trainer Daniel Bierofka spricht nur selten, Michael Scharold blaffte vor wenigen Wochen die Journalisten mitten auf dem Vereinsgelände an. Ein Mittelfeldplatz in der 3. Liga ist längst keine Position, in der man sich Anflüge von Arroganz leisten kann.
Wie groß wird die Aufregung dann erst sein, wenn Scharold in diesem Monat endlich sagt, mit wie viel Geld die Fußballer in Zukunft planen können? Weil der Verein von seinem Investor Hasan Ismaik keine Genussscheine, Darlehen oder ähnliche Finanzierungsformen mehr annehmen will, muss er wohl kräftig sparen. Gorenzel geht sogar davon aus, dass man in der nächsten Drittliga-Saison nur den Klassenerhalt anpeilen kann. Das Ironische ist ja: Im ewigen Streit der Gesellschafter setzt 1860 das große Ziel aufs Spiel, bei dem sich beide Seiten sehr einig sind: die mittelfristige Rückkehr in die 2. Liga.
christopher.meltzer@ovb.net