Perth – Alexander Zverev findet, im Prinzip sei es völlig klar, wie die Sache in der zweiten Auflage des Finales im Hopman Cup zwischen der Schweiz und Deutschland laufen müsse. „Angie muss nichts anders machen als letztes Jahr; ohne sie wären wir ja nie so weit gekommen. Im Mixed hab ich oft nur in der Ecke gestanden und ihr zugesehen.“
Stimmt. Vor einem Jahr hatte er sich in jeder Situation auf Angelique Kerber verlassen können, er selbst steckte in der ersten Woche des Jahres mittendrin im Aufbautraining und spielte deutlich unter seinem Niveau. Diesmal ist er mindestens drei Schritte weiter im Programm; wie Kerber gewann er alle drei Spiele der Vorrunde, und mit den Chancen auf einen Sieg heute im Finale gegen Belinda Bencic und Roger Federer sieht es nun deutlich besser aus.
Zweimal seit der Premiere des Mixed-Wettbewerbes anno 1989 schnappte sich Team Germany den Pokal in Perth: 1993, als Steffi Graf und Michael Stich gegen Arantxa Sanchez Vicario und deren Bruder Emilio gewannen, und zwei Jahre danach beim Sieg von Anke Huber und Boris Becker gegen Natalija Mewedewa und deren Bruder Andrei.
Beim dritten Sieg im Einzel in dieser Woche beim Hopman Cup in Perth in zwei sehr souverän gewonnenen Sätzen gegen Ashleigh Barty (6:4, 6:4) zeigte Kerber, dass sie mindestens so gut in Form ist wie vor einem Jahr. Und jeder der drei Siege in dieser Woche zählte auf besondere Weise: Gegen Garbiñe Muguruza aus Spanien hatte sie zuvor fünf Spiele verloren, der letzte Sieg gegen die Französin Alizè Cornet lag dreieinhalb Jahre zurück, und auch die letzte Begegnung mit Barty hatte sie verloren. Natürlich könne man diese Ergebnisse und Erlebnisse nicht mit jener bei größeren Turnier vergleichen, sagt Kerber, aber die Bedeutung zähle gleichwohl. „Das sind Matches, die mir Selbstvertrauen geben und dir mir zeigen, okay, ich fühl mich gut. Ich bin auf einem guten Weg.“
Vor einem Jahr wusste sie nicht so recht, ob sich die starke Form von Perth über Sydney nach Melbourne transportieren lassen würde. Doch dann gewann sie den Titel in Sydney und hätte bei den Australian Open fast das Finale erreicht, und es gehört nicht allzu viel Fantasie zur Vorstellung, dass sich die Dinge auch diesmal so oder ähnlich fügen könnten.
Aber natürlich lässt sich die ganze Geschichte mit den guten Schwingungen für Sydney und vor allem für Melbourne noch ein wenig steigern – mit einem Sieg an diesem Samstag im Finale gegen die Schweiz (Beginn 9 Uhr MEZ). Vor einem Jahr hatte Kerber gegen Belinda Bencic gewonnen, aber nach Zverevs Niederlage gegen Federer verloren die Deutschen schließlich auch das entscheidende Mixed.
Für Bencic stehen aus der ersten Woche des Jahres 2019 zwei Niederlagen im Einzel zu Buche – gegen Serena Williams und Maria Sakkari. Apropos Sakkari; die Griechin und Partner Stefanos Tsitsipas steuerten eine der besten Geschichten der Woche in Westaustralien bei, als sie sich nach dem Sieg im Mixed gegen Bencic/Federer wie Kinder über die Weihnachtsgeschenke freuten.
Beide hatten vorher erzählt, sie hätten noch vor ein paar Jahren nicht zu träumen gewagt, je gegen Federer zu spielen, geschweige denn, den großen Schweizer zu besiegen. Die Griechen kennen sich seit Kindertagen, sie sind gute Freunde, und ihre geteilte Freude war offensichtlich als doppelte Freude zu erkennen. Es machte Spaß, ihnen dabei zuzusehen.