München – Am Freitagmorgen stapfte Hendrik Bonmann als Erster aus der Kabine. Der Torhüter hielt an, als ihn ein kleiner Bub fragte, ob er auf seinem Mini-Fußball unterschreiben kann, was Bonmann brav machte. So stiefelten hintereinander alle Profis des TSV 1860 an den Fans vorbei, die gekommen waren, um das erste Training im neuen Jahr anzusehen. Irgendwann kam dann auch Adriano Grimaldi, der Stürmer. Ein Jugendlicher lief sofort auf ihn zu, zog ein Handy aus der Tasche und grinste gemeinsam mit Grimaldi für ein Selfie in die Kamera. Es könnte eines der letzten Motive mit Grimaldi gewesen sein, denn es ist unsicher, wie oft der 27-Jährige noch an der Grünwalder Straße auftauchen wird.
Am Freitagmittag, das Training war schon beendet, saß Günther Gorenzel, der Sportliche Leiter des TSV 1860, im vierten Stock der Geschäftsstelle und sagte: „Ich weiß, dass Uerdingen sich seit Oktober mit der Personalie Grimaldi beschäftigt.“ Und spätestens da drängte sich die Frage auf: Werden die Löwen ihren Fünf-Tore-Stürmer, der erst im Sommer für drei Jahre unterschrieben hat, noch in diesem Winter an den Drittliga-Rivalen verkaufen?
Eines gleich vorneweg: Es gibt noch kein Angebot, nicht mal eine offizielle Anfrage für Grimaldi. Doch seitdem die „AZ“ in ihrer Freitagsausgabe berichtete, dass er unzufrieden sei, tut sich etwas. Am Freitagmorgen soll 1860-Geschäftsführer Michael Scharold mit Grimaldis Berater gesprochen haben, am Freitagnachmittag wollte Gorenzel mit dem Stürmer reden. Dazwischen verkündete der Sportliche Leiter: „Wir lassen uns von keinem Spieler und keinem Berater erpressen.“ Die Grimaldi-Seite, so Gorenzel, versuche nun, Druck auszuüben. Dazu sagte er: „Wenn ein Angebot da ist, soll er damit kommen, dann werden wir uns unterhalten.“
Eigentlich halten der Sportdirektor und Daniel Bierofka Grimaldi ja für viel zu gut, um ihn einfach so zu verkaufen. Es deutet aber gerade viel darauf hin, dass der Angreifer gehen darf. Gorenzel fasste es so zusammen: „Aus sportlicher Sicht wird es keinen Verkauf geben – wenn unter wirtschaftlichen Bedingungen.“
Es mögen persönliche Befindlichkeiten sein, die den Fall Grimaldi antreiben, letztlich ist er aber ein weiterer Beleg für die finanzielle Situation, in die sich der TSV 1860 manövriert hat. Noch immer warten Gorenzel und Daniel Bierofka auf die Zahl X, die ihnen Michael Scharold mitteilen will – und die festlegt, mit wie viel Geld sie ihren Kader in Zukunft zusammenstellen können. Deutet man die jüngsten Aussagen und Entwicklungen aber richtig, muss man davon ausgehen, dass das Geld für nicht viel mehr reicht, als den Klassenerhalt in der 3. Liga abzusichern.
Man müsse immer sportlich und wirtschaftlich abwägen, sagte Gorenzel am Freitag. Für Grimaldi habe man intern bereits eine Summe X festgelegt. So ist das gerade bei 1860: Wenn das Geld stimmt, müssen auch die besten Spieler verkauft werden.