Bischofshofen – In großen Momenten ist kein Platz für unnütze Gedanken. Insofern wollte sich auch Markus Eisenbichler nach getaner Arbeit nicht mehr damit befassen, warum ihm der greifbar nahe Weltcupsieg wieder einmal aus den Händen geflutscht war. Der Zweitbeste dieser 67. Vierschanzentournee gewesen zu sein, das war ein Umstand, der den 27-jährigen Siegsdorfer restlos verzückte. „Einfach geil“, schwärmte er in die Mikrofone und bedankte sich bei so ziemlich allen, die ihm so in den Sinn kamen.
An drei von vier Tournee-Stationen hatte Eisenbichler mit dem neuen Champion Ryoyu Kobayashi zumindest Schritt gehalten. Dass er im Japaner doch seinen Meister fand, war auch für Bundestrainer Werner Schuster leicht zu verkraften. „Was Kobayashi gezeigt hat, war beeindruckend“, sagte er, „er hat hochverdient gewonnen.“
Doch auch der Österreicher konnte die Paul-Außerleitner-Schanze letztlich mit einem Lächeln verlassen. Zwar wurde es auch im elften Anlauf unter seiner Führung nichts mit dem ersehnten Tourneesieg. Doch selten war der Deutsche Skiverband beim wichtigsten Turnier des Winters so breit in der Spitze vertreten. Neben Eisenbichler lag das vor allem an Stephan Leyhe. Der Willinger wurde auch in Bischofshofen Vierter und pirschte sich in der Gesamtwertung noch aufs Podest. Zwei Namen auf dem Tournee-Podium, mit denen vor dem Start in Oberstdorf nicht unbedingt zu rechnen war.
Vor dem Start schien dies eher Engelberg-Sieger Karl Geiger zuzutrauen. Doch plötzlich Mitfavorit zu sein, das wurde dann doch „zum Rucksack“ für den Oberstdorfer, wie Schuster ausmachte. Nach Platz zwölf auf seiner Heimschanze „wollte er es ein bisschen erzwingen“, sagte der Bundestrainer. Der Schuss ging nach hinten los: Platz elf war sicher nicht das, was Geiger von sich selbst erwartet hatte.
Wobei zwei andere DSV-Springer über Vergleichbares wahrscheinlich ganz froh gewesen wären. Doch Richard Freitag und Andreas Wellinger schafften bei der 67. Vierschanzentournee nicht den erhofften Schritt aus dem Leistungstief. Freitag, in Bischofshofen 27., nimmt mit dem achten Platz von Innsbruck immerhin sein bestes Saisonresultat mit. Vielleicht auch deshalb sieht Schuster den Wahl-Oberstdorfer näher an der Schwelle zur alten Form. „In den nächsten Wochen kommen Schanzen, die ihm liegen“, sagte er, „das sollte helfen, dass er zu seiner Stabilität findet.“
Ob das auch für Andreas Wellinger gilt, bleibt abzuwarten. Der Olympiasieger und Tournee-Zweite des Vorjahres hatte in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen mit dem Ausscheiden im ersten Durchgang die Höchststrafe erlitten. Gleiches blieb ihm in Innsbruck und zum Abschluss in Bischofshofen nur knapp erspart. Wenigstens durfte er die Tournee mit einem Positiverlebnis beenden. Ein ansprechender 128,5-Meter-Flug im gestrigen Finale trug ihn immerhin noch auf Platz 15 des Tagesklassements.
Für Werner Schuster ist das Schwächeln seiner einstigen Vorflieger nichts Ungewöhnliches: „Die beiden haben schon so oft die Kohlen aus dem Feuer geholt – jetzt waren mal andere dran.“ rp